Mailwechsel
In der Financial Times Deutschland ist vor einer guten Woche ein Artikel von Christian Schütte mit dem Titel “Forscher zum Fürchten” erschienen. Nach der Lektüre fand ich, dass hier eher Redakteure zum Fürchten am Werk waren und habe im Eifer des Moments eine sehr (!) ausführliche Mail an den Autoren geschrieben. Daraus entspannte sich ein Maildialog, den ich mit Herrn Schüttes Erlaubnis unten wiedergebe.
Sehr geehrter Herr Schütte,
ich habe gerade Ihren Artikel “Forscher zum Fürchten” in der FTD gelesen und finde die Darstellung des IPCC nicht sehr gelungen. Ich gebe Ihnen gerne Recht darin, dass dem IPCC eine Reform gut tun würde. Schließlich basiert das Gremium heute noch auf den selben Regeln, die vor 20 Jahren erdacht wurden, und wie zu sehen ist funktionieren die nicht fehlerfrei. Eine Reihe erfahrener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat sich dazu mittlerweile geäußert, wobei sehr bedenkenswerte und auch weniger ausgegorene Vorschläge zu lesen waren. Eine der am deutlichsten hervortretenden Schwächen ist dabei, dass die zwangsläufig in einem 3.000 Seiten starken Bericht vorkommenden Fehler nicht umgehend eingeräumt wurden, sondern das IPCC mit seinem 10köpfigen Sekretariat viel zu lange gebraucht hat um sich mit klaren Worten an die Öffentlichkeit zu wenden. Es gäbe dazu noch zahlreiche weitere Reformelemente für das IPCC zu diskutieren, von organisatorischen Fragen über Transparenz und politische Unabhängigkeit bis hin zu Personalien. Ich stimme Ihnen deshalb gerne zu, dass es Reformbedarf gibt.
Worin ich Ihnen allerdings überhaupt nicht zustimme ist die Diagnose, dass Alarmismus beim IPCC “immer gern genommen” worden sei, worin sich eine klare Agenda zur Übertreibung zeige. Im IPCC-Bericht von 2007 finden sich zahlreiche Elemente, die im Gegenteil als Untertreibung gelten können. Bis zur Finanzkrise mit ihren Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung lagen die Treibhausgas-Emissionen am oberen Rand des worst-case-Szenarios des IPCC. Die Internationale Energie-Agentur veröffentlichte noch 2008 Szenarien zur zukünftigen Energieversorgung, die mit Emissionen jenseits der schlimmsten IPCC-Annahmen einher gehen. 2009 wurden dann in Anbetracht der Finanzkrise die Schätzungen nach unten korrigiert, was allerdings mitnichten eine Entwarnung darstellt. Von 2007 bis 2030 soll sich der Verbrauch fossiler Energien um 40% erhöhen, so der kürzlich erschienene World Energy Outlook 2009. Von 1990 bis 2030 werden sich die energiebedingten Emissionen von knapp 21 auf über 40 Milliarden Tonnen CO2 beinahe verdoppelt haben, und zwar trotz Finanzkrise. Dieses Referenzszenario der IEA würde letztlich zu einer Treibhausgas-Konzentration von über 1.000ppm führen, was eine durchschnittliche globale Erwärmung von 6°C bedeuten würde: http://www.worldenergyoutlook.org Sechs Grad ist der obere Rand der weit gestreuten IPCC-Szenarien, die im Modell mit einer Erwärmung um 1,1 bis 6,4°C bis 2100 korrelierten. Auch hier ist deutlich zu sehen, dass das IPCC keinen Alarmismus verbreitete.
Der Anstieg des Meeresspiegels ist ebenso wie die arktische Meereisschmelze unterschätzt worden. Dabei ist mittlerweile klar, dass die im AR4 angegebene Obergrenze des Meeresspigelanstiegs bis 2100 sehr wahrscheinlich deutlich unterschätzt war: Statt bei den angegebenen 0,59m plus X zu verbleiben diskutierten Forscher in den letzten Jahren, ob nicht 1m viel wahrscheinlicher und ob 2m tatsächlich auszuschließen seien. Und in welchem Sommer die Arktis erstmals eisfrei sein könnte ist zwar nach wie vor unklar. Dass dies allerdings wie im AR4 angegeben erstmals 2100 der Fall sein könnte, glauben viele Beobachter längst nicht mehr. Vielmehr gehen einige Forscher mittlerweile von einem Datum in der ersten Hälfte des aktuellen Jahrhunderts aus.
Diese Untertreibungen sind Ergebnis des sehr konservativen Modells, auf dessen Grundlage die IPCC-Berichte entstehen. Es gibt beispielsweise zu einem Desintegrationsprozess des grönländischen Eisschildes über mehrere Jahrhunderte keine geeigneten Modelle, was am mangelnden physikalischen Verständnis liegt, wodurch entsprechend keine Risikoabschätzung eines solchen Eiskappen-Kollapses angegeben wurde. Gleichzeitig finden sich sicherlich einige Aussagen im vierten Sachstandsbericht, die manchen Leuten als Übertreibungen erscheinen. In Umfragen unter Wissenschaftlern ergab sich jeweils ein ausgesprochen ausgewogenes Bild über das IPCC in der Form, dass gut die Hälfte der Befragten die Einschätzung des IPCC weitgehend teilten, während je ein knappes Viertel die Darstellungen für über- oder untertrieben hält. Ein besseres Ergebnis wird man wahrscheinlich mit keinem Reviewverfahren jemals hinbekommen.
Warum in den letzten Monaten nun einige Fehler des IPCC mit so viel Medienpräsenz ausgeschlachtet wurden, die bei Ihnen einen systematischen Alarmismusverdacht aufkommen lassen, lässt sich meines Erachtens besser mit der Dynamik von Medien selbst als mit einer dem IPCC inhärenten Unausgewogenheit erklären. Die Untertreibungen des IPCC sind bereits seit der Veröffentlichung des AR4 im Jahr 2007 bekannt, sie bieten den Medien keinen Neuigkeitswert mehr. Die mediale Figur der Klimakatastrophe ist fürs erste aufgebraucht, sie braucht einen Ersatz. Die Geschichte eines groß angelegten Wissenschaftsskandals, ausgelöst durch die oft schlecht recherchierte Berichterstattung über die CRU-Mails, bietet da ungleich mehr Stoff. Sie schreiben: “All die Fehler, die zuletzt von IPCC-Kritikern aufgedeckt wurden, bedienten großzügig den Alarmismus.” Ich frage mich, und dies bei aller berechtigten Kritik an der Arbeit des IPCC, ob das nicht vielmehr etwas mit der Agenda von Leuten zu tun haben könnte, die jetzt akribisch nach Übertreibungen suchen, während die zahlreichen Untertreibungen geflissentlich übersehen werden?
Auch Ihren Artikel finde ich, was die Recherche angeht, verbesserungswürdig. Sie schreiben über die übertriebene Bedrohung der Amazonaswälder, doch das IPCC hat die Ansichten des dafür ausgewiesenen Experten Daniel Nepstad nach dessen eigener Aussage sehr treffend wiedergegeben, wenn es auch bei der Zitation nachlässig war: http://www.whrc.org/resources/online_publications/essays/2010-02-Nepstad_Amazon.htm
Sie schreiben, dass das IPCC für Fläche der Niederlande, die unter dem Meeresspiegel liegt, falsch wiedergegeben hat. Das ist korrekt, wobei ein pikantes Detail ausgespart wurde: Die falsche Zahlenangabe kam von der Netherlands Environmental Assessment Agency: http://www.pbl.nl/en/dossiers/Climatechange/content/correction-wording-flood-risks.html Letztlich stellte sich heraus, dass nicht 55% der Landesfläche unterhalb des Meeresspiegels liegen, sondern 55% der Landesfläche von Überschwemmung bedroht sind, wobei nur 26% der Niederlande unterhalb des Meeresspiegels liegen. Das ist sicher ein faktischer Fehler und bedarf der Korrektur, doch daraus Alarmismus zu lesen und dem IPCC eine geheime Agenda anzudichten scheint mir in diesem Fall eine Übertreibung. Sie schreiben, dass das IPCC “die von Überflutung bedrohte Fläche der Niederlande viel zu groß angesetzt” hätte. Genau das hat das IPCC nicht getan, der Fehler lag woanders. Wie Sie sehen ist die genaue Formulierung eines kompexen Sachverhaltes mitunter mit Schwierigkeiten verbunden.
Sie gehen noch auf die Angaben zur Dürre in Afrika ein. Sie schreiben: “Und aus ein paar dürren Daten aus dem Maghreb wurde ein Szenario drohender Hungersnöte in Afrika gemacht: Die Ernten dort könnten “um bis zu 50 Prozent” zurückgehen.” Das IPCC schreibt in der Summary for Policymakers des Berichts der Working Group II: “In some countries, yields from rain-fed agriculture could be reduced by up to 50% by 2020.” Dort steht klar “einige Länder” und nicht “ganz Afrika”, wie Sie andeuten. Zudem verweist die SPM klar auf Kapitel 9.4 des umfassenden Berichtes, worin die in der Zusammenfassung notwendigerweise verkürzt wiedergebenen Erkenntnisse sehr genau beschrieben stehen. Auf Seite 448 findet man beispielsweise verschiwdene Szenarien und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft in unterschiedlichen afrikanischen Ländern, und zwar einschließlich denkbarer positiver Folgen des Klimawandels – was nun gar nicht zum Vorwurf des Alarmismus passt: http://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar4/wg2/ar4-wg2-chapter9.pdf
Schließlich bleibt die falsche Angabe zur Schmelze der Himalaya-Gletscher, die ganz zweifellos Schlamperei geschuldet ist und die umgehend hätte eingeräumt werden müssen. Insgesamt bleibt nach der Lektüre Ihres Artikels bei mir der Eindruck, dass Sie sich allzu schnell dem gerade vorherrschenden Zeitgeist in den Medien angeschlossen und mit unsauber recherchierten Darstellungen eine Fundamentalkritik am IPCC veröffentlicht haben, die in der Sache nicht gerechtfertigt ist. Sie sind damit nicht alleine, Medialens hat eine ganze Reihe von noch deutlich fragwürdigerer Berichterstattung als Ihre gesammelt: http://www.medialens.org/alerts/10/100222_gates_of_delusion.php Gerade vor dem Hintergrund der schrillen Stimmen in den Medien wäre es gut gewesen, eine ausgewogene Darstellung in der FTD zu lesen. Diese Chance wurde leider verpasst.
Mit freundlichen Grüßen,
Nils Simon
Christian Schütte hat prompt, wenn auch knapp, darauf geantwortet:
Sehr geehrter Herr Simon,
Vielen Dank für Ihren ausführlichen Brief und die Zusatzinformationen. Wenn selbst der zitierte Robert Watson feststellt, dass die Fehler auffallend in eine Richtung gehen, liegt m.E. aber doch etwas im Argen. Die grundsätzliche Frage ist, ob das IPCC sich selbst in einer Advocacy-Rolle sieht. Nach meinem Eindruck war dies in der Vergangenheit leider der Fall.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Schütte
Daraufhin habe ich die folgenden beiden Mails geschrieben:
Sehr geehrter Herr Schütte,
vielen dank für die knappe Antwort. Mir ist nicht entgangen, dass sie Robert Watson zitiert haben. Dieser hat sich allerdings kürzlich anders als von Ihnen dargestellt geäußert. Der wichtigste Satz daraus lautet in diesem Zusammenhang: “I see no evidence that the [IPCC] authors purposely overstated the potential impacts from climate change [...]“. Der ganze Artikel von Watson findet sich unter http://blogs.worldbank.org/climatechange/scientific-evidence-human-induced-climate-change-unequivocal
Is the scientific evidence of human-induced climate change unequivocal?
Submitted by Robert Watson on Tue, 03/02/2010 – 11:58
[...]
“In many cases the IPCC is very conservative in its statements, e.g., the projections of sea level rise reported in WG I were based on contributions from thermal expansion of the oceans and the melting of mountain glaciers, but did not contain a contribution from the melting of the Greenland ice sheet due to an inadequate understanding of the current rate of melting. Some would say: Only four mistakes or cases of imprecise wording have been found in the thousand page WG II report, and none in WGs I and III, so is there really a problem?
I see no evidence that the authors purposely overstated the potential impacts from climate change in an effort to convince the public of the seriousness of the threat – the threat is serious enough without –hyping it—and the expert and government peer-review process should have caught these inaccuracies and imprecise wordings. The vast amount of attention in the print and TV media, at least in the UK, has probably left some of the public confused if not sceptical – the challenge now is to regain any lost trust through a continuing re-examination and restatement of the evidence, clearly identifying what we know and what is still uncertain. It is critical that the public understand the issue of climate change given the
need to both mitigate and adapt in a cost-effective and socially responsible manner.So does the IPCC process need to be significantly revised? I would argue that it does not. The IPCC is more than capable of conducting rigorous and reliable assessments in an open, transparent and inclusive manner, but it also needs to takes steps to regain its full and deserved credibility. The Principles and Procedures for the selection of authors and review editors, and the peer-review process and approval of reports are all sound. What is needed is to tighten up the implementation of these procedures.”
Mit freundlichen Grüßen,
Nils Simon
Und folgendes PS:
In Ergänzung zu meiner vorherigen Mail: Tim Lambert hat sich direkt mit Robert Watson in Verbindung gesetzt um herauszufinden, wie nah dran die Story der Times an dem war, was Watson erzählt hat. Ich vermute mal, Sie haben sich in Ihrem Artikel auf http://www.timesonline.co.uk/tol/news/environment/article7026932.ece bezogen. Nun, Lamberts Einschätzung, basierend auf Watsons Rückmeldung, ist
klar:http://scienceblogs.com/deltoid/2010/02/now_its_timesgate.php
“Yes there is bias here, but the bias is in the media that only reports the errors that overstate the problem and also reports as errors things that are not errors at all. This seems pretty obvious and Robert Watson is no fool, so I asked him if The Times had accurately report his views. He replied:
>>The article distorted my statements – I was interviewed for an hour and it was obvious that the reporter wanted me to say that the authors were biased – I said I did not believe that.<<
Watson said that the authors were not biased, but The Times reported him as saying that they were. That’s outright dishonesty by Webster and Pagnamenta.”
Ändert das etwas an Ihrer Haltung?
Beste Grüße,
Nils Simon
Worauf Herr Schütte antwortete:
Sehr geehrter Herr Simon,
vielen Dank für die Rückmeldung. Mir ging es vor allem um den Punkt, dass auch Robert Watson feststellt, dass die Fehler einen bestimmten Bias haben. Er zieht daraus andere Schlussfolgerungen als ich, was vielleicht auch in der Natur der Sache liegt. Wer den Prozess von innen kennt und daran teilnimmt, wird auch eine Häufung von Merkwürdigkeiten anders beurteilen als ein Außenstehender.
Wenn Watson das so nicht gesagt hat (oder haben will), dann würde ich ihn selbstverständlich nicht mehr für meine Argumentation in Anspruch nehmen.
Die Frage, die sich die IPCC-Verantwortlichen stellen müssten, ist dennoch, wie sie in der Öffentlichkeit glaubwürdig bleiben wollen. Die Erfahrungen der Finanzbranche sind da vielleicht ganz lehrreich. Die Beteuerung, dass niemand absichtlich getäuscht habe und die Prozesse im Prinzip doch in Ordnung sind, hilft den Bankern heute gar nichts.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Schütte
Worauf ich die folgende Mail verschickte:
Sehr geehrter Herr Schütte,
Mit der Schlussfolgerung aus Ihrem letzten Absatz kann ich sehr viel besser leben. Ich halte zwar den Vergleich zwischen dem IPCC und Finanzanalysten für stark hinkend, gemessen an der Größenordnung der jeweiligen Fehlleistungen, doch zweifellos müssen sich alle Beteiligten am IPCC-Prozess einige unangenehme Fragen stellen und auch entsprechende Konsequenzen ziehen.
Trotz allem erstaunt mich, wie gelassen die Öffentlichkeit mit den eklatanten Fehlprognosen der IEA umging, wie vergleichsweise milde der öffentliche Protest gegen die Verursacher der Finanzkrise verlief, gemessen an ihrem riesigen Ausmaß, und mit welcher Verve sich Blogs und Medien dem gegenüber auf den Weltklimarat stürzten. Womöglich ist meine eigene Wahrnehmung hier allerdings auch verzerrt, weil ich mich mit Letzterem am meisten beschäftigt habe. [...]
Und Christian Schütte ein (bislang) letztes Wort hatte:
Sehr geehrter Herr Simon,
Die besonders intensive und kritische Auseinandersetzung mit dem IPCC ist mE vollkommen berechtigt, weil keine andere Institution in vergleichbarer Weise von der Politik dazu herangezogen wird, potenziell extrem weitreichende Eingriffe in Gesellschaft und Wirtschaft zu rechtfertigen bzw. jeglicher öffentlichen Debatte zu entziehen (“The science is settled”). Schon deshalb ist die Grenze zur Advocacy hier sehr schwammig.
Einige interessante Argumente dazu finden sich übrigens auch im Blog von Walter Russell Mead, zB. hier:
http://blogs.the-american-interest.com/wrm/2010/02/01/the-death-of-global-warming/
http://blogs.the-american-interest.com/wrm/2010/02/19/how-al-gore-wrecked-planet-earth/
Nota bene: Mead geht es nicht darum, die wissenschaftlichen Grundlagen zu diskutieren oder anzuzweifeln.Persönlich halte ich es mit dem indischen Umweltminister Jairam Ramesh: The climate world is divided into three: the climate atheists, the climate agnostics, and the climate evangelicals. I’m a climate agnostic. The spirit of science is the spirit of enquiry, of questioning. (WSJ, 8 March 2010)
Mit freundlichen Grüßen
Christian Schütte
Nicht nur die Klimawelt, sondern auch die Evolutionswelt und noch ein paar mehr sind in verschiedene Gruppen geteilt. Komischerweise ist nur kein klar denkender Mensch stolz darauf, sich als Evolutionsagnostiker oder AIDS-Atheisten zu bezeichnen, nur beim Klima sind Ignoranz und naturwissenschaftlicher Analphabetismus plötzlich hip. xkcd bringt es auf den Punkt:
Walter Russell Mead ist ein anderes Kapitel. Der zweite verlinkte Blogpost enthält wenig Interessantes, dabei finde ich beim ersten erstaunliche Übereinstimmung mit meinen eigenen Überzeugungen unterhalb der vergurkten Einleitung. Ist ein bisschen wie mit Christian Schütte: Die Beweisführung halte ich für brüchig bis einsturzgefährdet, die Schlussfolgerungen trotzdem teilweise akzeptabel. Dazu später vielleicht mehr.
Von Nils Simon
Posted: 8 März, 2010 in IPCC, Medien.
Comments
Comment from Nils Simon
Posted: 9. März 2010 at 20:13
Martin, Du hast einige gute Punkte genannt. Bezeichnend finde ich auch dass Schütte, auf die Verfälschung von Watsons Aussage hingewiesen, nicht etwa in Betracht zieht seine Argumentation zu ändern, sondern bloß nicht länger Watson zitieren würde.
Die zurückgezogene Studie zum niedrigen Meeresspiegelanstieg habe ich mitbekommen. Ich denke da ganz ähnlich wie Du: Ein so zentraler Wert wie der Anstieg des Meeresspiegels ist sehr wahrscheinlich deutlich unterschätzt worden und prominent platziert, was viel zu viele Leute kaum juckt. Doch ein jenseits von Seite 1.000 irgendwo versteckter, wenn auch eklatanter Fehler, soll als Kronzeuge für den Bias beim IPCC herhalten. Dünner gehts kaum.


Comment from Martin Stolpe
Posted: 8. März 2010 at 23:04
Danke für Einstellung des interessanten Mail-Wechsels!
Was mir besonders auffällt ist, dass Schütte gleich auf ein mögliches Bias hinaus will. Auf die Frage, ob es dann überhaupt Fehler sind bzw. ob man sie dem IPCC zuschreiben kann, geht er leider nicht ein. Wie Du schreibst, geht allein der Gletscher-Fehler wirklich auf die Kappe des IPCC. Doch aus einem Fehler könnte man schwer ein Bias herleiten….
Was Schütte auch ausspart ist die Schwere des Fehlers: Die Himalaya Gletscher Aussage findet sich irgendwo hinten im Bericht, während etwa die Meeresspiegelszenarien von grösster Bedetung sind. Und da macht es einen riesen Unterschied, ob dieser im 21. Jahrhundert um 40 cm oder um 120 cm ansteigt.
PS: Hast Du eigentlich mit bekommen, dass Siddal, Stocker und Clark ihre Studiu zum Meeresspiegelanstieg zurückgezogen haben? Immerhin ist dies eine der einzigen (Einzige?) Arbeiten seit Erscheinen des 2007er Berichts, die Werte in Höhe dieses, lieferte.
PPS: http://www.ucsusa.org/assets/images/si/Science%20Idol%2009/James_MacLeod_web.jpg