Menu:

Neueste Kommentare

Archiv

Bücher (deutsch)

- Elmar Altvater und Achim Brunnengräber: Ablasshandel gegen Klimawandel? VSA, 2008.
- Marcel Hänggi: Wir Schwätzer im Treibhaus. Rotpunkt, 2008.
- Chris Methmann, Alexander Haack und Jesko Eisgruber: Wem gehört der Himmel? VSA, 2007.
- George Monbiot: Hitze. Riemann, 2007.
- Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. C.H. Beck, 2007.
- Hermann Scheer: Solare Weltwirtschaft und Energieautonomie. Jeweils Kunstmann, 2005.

Bücher (englisch)

- Andrew Dessler and Edward Parson: The Science and Politics of Global Climate Change. Cambridge University Press, 2006.
- Ross Gelbspan: Boiling Point. Basic Books, 2005.
- James Hoggan: Climate Cover-Up. Greystone, 2009.
- Mike Hulme: Why We Disagree on Climate Change. Cambridge University Press, 2009.
- Mark Lynas: Six Degrees. Random House, 2008.
- Spencer Weart: The Discovery of Global Warming. Harvard University Press, 2008. Auch online.

Suche

Links:

Meta

Phil Jones wird interviewt und sagt – das gleiche wie vorher

Viel Rummel wurde schon zu dem Interview von Phil Jones mit der BBC gemacht. Darin hatte Jones erklärt, die globale Erwärmung seit 1995 sei messbar vorhanden, aber nicht statistisch signifikant nachweisbar:

B – Do you agree that from 1995 to the present there has been no statistically-significant global warming

Yes, but only just. I also calculated the trend for the period 1995 to 2009. This trend (0.12C per decade) is positive, but not significant at the 95% significance level. The positive trend is quite close to the significance level. Achieving statistical significance in scientific terms is much more likely for longer periods, and much less likely for shorter periods.

Daraus machten ein paar, die es besser wissen müssten (und für ihre Fehlleistung prompt kritisiert wurden), und welche von denen nichts anderes zu erwarten war, im Gleichklang mit einem offensichtlich überbezahlten Journalisten von der Welt irgendwie eine “180° Kehrtwende von Jones”. Tenor: Auf einmal behaupte Jones, die Erde habe sich nicht erwärmt.

In einem guten Artikel von Stefan Rahmstorf wird erklärt, warum das blanker Unsinn ist. Man braucht einen genügend langen Zeitraum, um eine statistisch signifikante Temperaturentwicklung aufzeigen zu können. 15 Jahre sind dafür der unterste Rahmen, ab 20 klappt das schon ganz gut. Klimatologischer Standard sind 30 Jahre, und auf dieser Skala sieht man den Erwärmungstrend klar und deutlich und natürlich auch statistisch signifikant.

Bild: Die Entwicklungs der durchschnittlichen Lufttemperatur seit 1960, mit 30-Jahres-Trend bis einschließich 2009. Die globale Erwärmung ist deutlich sichtbar, und es gibt keine Zeichen für eine Abkühlung auf einer klimatologisch relevanten Zeitskala. Quelle: KlimaLounge.

Was ist aber nun mit der angeblichen Kehrtwende von Jones? Stefan Rahmstorf verlinkt in seinem jüngsten Artikel praktischerweise auf ein Interview, das er im November 2008 mit Jones geführt hat. Darin sagt Jones (Hervorhebungen von mir):

Einige Leute nehmen selektiv den Trend ab 1998, einem extrem warmen Jahr weit oberhalb der Trendlinie. Diese Wärme war Folge eines El Niño Ereignisses im Pazifik. Selbst dann ist der Trend 1998-2007 in unseren Daten noch positiv, nämlich +0.09 ºC pro Jahrzehnt. Nimmt man aber den Trend 1999-2007 so beträgt er +0.21 ºC pro Jahrzehnt. Zum Vergleich: der Langzeittrend über die letzten 50 Jahre beträgt +0.13 ºC pro Jahrzehnt. Beginnt man also mit dem warmen Jahr 1998 ist der Trend unterdurchschnittlich, beginnt man mit dem kühlen Jahr 1999 ist er überdurchschnittlich. Das ist einfach ein Ergebnis der natürlichen Schwankungen von Jahr zu Jahr, die es seit jeher gibt. Es gibt keine Anzeichen für ein Abflachen im Trend. [...]

Natürlich ist der Trend seit 1998 nicht signifikant – denn wegen der oben genannten Zufallsschwankungen von Jahr zu Jahr sind zehn Jahre einfach zu kurz, um zuverlässig einen Trend zu bestimmen. Bei einem 10-Jahrestrend beträgt die Standardabweichung aufgrund dieser Schwankungen +/- 0.1 ºC pro Dekade. Daher kann man auf dieser Basis auf keinen Fall behaupten, der Trend habe sich abgeflacht. Das ist Unsinn und verwechselt einfach das “Rauschen” der Wetterschwankungen mit dem “Signal” der globalen Erwärmung. Solche Behauptungen sind wissenschaftlich falsch. [...]

Bei 20-jährigen Trends sind die Ergebnisse schon recht robust, die Standardabweichung ist da nur noch +/- 0.03 ºC pro Dekade. Der aktuellste 20-Jahrestrend, 1988-2007, beträgt 0.20 ºC pro Dekade. Bei diesem robusteren Maßstab sind die jüngsten Trends die steilsten. Nimmt man etwa den 20-Jahrestrend von vor zehn Jahren, also 1978-1997, so beträgt der nur 0.11 ºC pro Dekade. Das bedeutet: für hinreichend lange Zeiträume, über die man vernünftige wissenschaftliche Aussagen machen kann, hat die Erderwärmung sich beschleunigt und keineswegs abgeflacht.

Jones sagte also im Januar 2010, der Erwärmungstrend seit 1995 sei positiv, aber statistisch nicht signifikant. Und 2008 sagte er, der Erwärmungstrend seit 1998 sei positiv, aber statistisch nicht signifikant. Donnerwetter! Wenn das mal keine glatte, ähm, 360°-Wende ist.

Haben unsere Journalisten eigentlich überhaupt keine Zeit mehr, um Recherchen sorgfältig durchzuführen? Jörg Zimmermann hat das fortgesetzte Versagen unserer Qualitätsmedien bei ihrer internen Qualitätskontrolle bereits aufgespießt, wähernd Ulrich Berger gleich einen veritablen Fall von Plagiarismus im Gratiszeitungs-Sektor aufdeckte. Ich selber bin bekanntermaßen auch nicht gerade glühender Fan des ehemaligen Nachrichtenmagazins. Es ist was faul im Journalistenreich.

Von Nils Simon

Kommentare

Pingback from Anonym
Time 9. April 2010 at 20:48

[...] [...]

Einen Kommentar schreiben: