Mitgefühl im Klima-Splatter
Es ist schwer vorstellbar, was Phil Jones in den letzten Monaten durchmachen musste. Wie sehr ihn die Verbreitung privater E-Mails und die nachfolgenden haarsträubenden Angriffe auf die Integrität der Klimaforschung gezeichnet haben, offenbarte er kürzlich in der Times. Dort berichtet er von Selbstmordgedanken, die er nur schwer überwinden konnte, und bis heute anhaltenden gesundheitlichen Problemen.
Wer sich in die Details des Pseudoskandals Climategate einarbeitet stellt schnell fest, dass der Großteil der Kritik am Verhalten der Klimaforscher keine solide Basis hat und stellenweise zwischen Paranoia und Verschwörungstheorie einzuordnen ist. Den Angriffen der Skepties nimmt dies aber nichts von ihrer Heftigkeit, im Gegenteil.
Sieht man sich den gezeichneten Jones an, dann ist zumindest meine erste Reaktion Mitgefühl. Nicht so bei den Skepties, denn die treten einem am Boden liegenden Menschen gerne noch mal eine rein. Glenn Beck vom US-Krawallsender Fox News erklärte gestern, es gebe gar nicht genügend Messer auf der Welt, mit denen sich die ganzen entehrten Klimaforscher selber abstechen sollten:
There’s not enough knives. If this, if the IPCC had been done by Japanese scientists, there’s not enough knives on planet Earth for hara-kiri that should have occurred. I mean, these guys have so dishonored themselves, so dishonored scientists.
Das ist – neben den anonymen Morddrohungen, die Phil Jones im Wochentakt erhält – leider nur die ganz dreckige Seite der Medaille, auf deren blitzend sauberer Oberseite das Verschwinden von Phil Jones, Michael Mann und anderen aus dem IPCC-Prozess, ihren Forschungsanstalten und am besten dem ganzen Wissenschaftszirkus gefordert wird. Vom Klimatologen zum Stalinisten ist es bekanntlich nur ein Katzensprung. Bei derlei gesteigerten sozialen respektive physischen (Selbst-)Mordgelüsten stört natürlich nur, dass die Vorwürfe etwa gegen Michael Mann inzwischen weitgehend als substanzlos abgehakt sind. Der Klima-Splatterfilm läuft weiter. Vielleicht kann der Webmob ja doch noch irgendwo Blut spritzen sehen?!
Von Nils Simon
Eingetragen: Februar 12th, 2010 unter Allgemeines.
Kommentare
Comment from Karel Vogel
Time 16. Februar 2010 at 18:19
Ja, man hat genausoviel Mitleid mit dem armen Phil Jones, wie er Freude über den Tod von John Daly geäußert hat.
“Jones an Michael Mann:
“Mike,
In an odd way this is cheering news ”
Herr Zimmermann, war da noch was ?
Comment from Nils Simon
Time 16. Februar 2010 at 19:53
@Karel Vogel: Den feinen Unterschied zwischen einer privaten Mail, in welcher der Tod eines Kontrahenten despektierlich behandelt wird, und der übers Fernsehen Radio ausgestrahlten Aufforderung zum Selbstmord muss ich aber nicht erklären, oder?
Comment from ghw
Time 16. Februar 2010 at 20:40
???
Du könntest vielleicht die Hintergründe zu der
“übers Fernsehen ausgestrahlten Aufforderung zum Selbstmord” erklären?
Was weißt du, was wir nicht wissen?
Comment from Nils Simon
Time 16. Februar 2010 at 21:15
@ghw: Hast Du den Artikel gelesen? Scheint nicht so.
Edit: Becks Beitrag kam im Radio, nicht im Fernsehen. Ich habe das oben korrigiert.
Comment from Jörg Zimmermann
Time 16. Februar 2010 at 22:39
Herr Vogel, es geht hier nicht um Mitleid, sondern darum, daß Herr Jones Opfer einer Kampagne ist, die mit Lügen und Verleumdungen arbeitet. Äußerungen wie die zitierte von Glenn Beck richten sich selbst. Und was Jones privat einem Kollegen schreibt, geht mich und Sie nichts an.
Comment from Karel Vogel
Time 18. Februar 2010 at 00:02
Aufruf zum Selbstmord ist natürlich verwerflich, alles andere, da kann ich nur sagen: selber schuld, soll er seinen Stall in Ordnung halten.
Und wenn er dazu nicht in der Lage ist / war, dann eben Tsüß, muß ein fähiger Mann ran.
“Eine Kampagne der Lüge und Verleumdung” löst bei mir ein mildes Lächeln aus, wer gegensätzliche Meinungen nicht toleriert ist mindestens genauso schlimm, wer FOIA Anfragen boykottiert ist normalerweise ein Fall für den Kadi.
For4zimm, Sie machen sich lächerlich mit Ihrem moralischen Zeigefinger.
;.)
Jones ist alles, nur kein Opfer, er wird jetzt als Opferlamm hingestellt von so Hardlinern wie Sie einer sind.
Comment from Jörg Zimmermann
Time 18. Februar 2010 at 15:06
Herr Vogel, Sie verstehen nicht. Wenn ich von Kampagne, Lügen und Verleumdungen rede, sind das keine rhetorischen Figuren. Ich habe auf meinem Blog dafür Beispiele. Speziell zum Mißbrauch der FOI-Anfragen durch McIntyre gibt es einen Absatz im Beitrag “Sabotage”. Von 40 verschiedenen Leuten Anfragen auf Basis der gleichen Mustervorlage zu erhalten sollte bei jedem normalen Menschen zu Abwehrreaktionen führen.
Comment from Karel Vogel
Time 18. Februar 2010 at 22:42
@Jörg Zimmermann
Speziell zum Mißbrauch der FOI-Anfragen durch McIntyre
Das reicht doch, so entlarvt man sich. Ihre Einstellung zu Kritik ist ja hinlänglich bekannt, die wird nicht geduldet, die hat es nicht zu geben.
Gerade die FOI Anfragen reiten Jones doch rein, da hat er nicht nur geschludert, da hat er boykottiert.
FOIA Anfragen sind nun mal rechtens und wer sich dagegen stellt muß mit den Folgen leben.
Wie gesagt, dumm gelaufen, soll er seinen Stall in Ordnung halten. Punktum.
Comment from Nils Simon
Time 19. Februar 2010 at 13:11
[Vier nicht zum Thema passende Kommentare wurden nach Ankündigung gelöscht]
Comment from Nils Simon
Time 19. Februar 2010 at 13:50
Zu den FOI-Anfragen hat Jörg bereits das Wesentlich geschrieben:
In einem Beispiel erzeugte McIntyre über seine Schar gläubiger Leugner um seinen Blog ClimateAudit über 40 Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOI-Anfragen). Jede FOI-Anfrage muß nach gesetzlichen Regeln bearbeitet werden, auch wenn die Abfrage vermutlich missbräuchlich betrieben wird. Wenn die Anfrage nur gesichtet und dann die Ablehnung begründet wird, ist dies auch noch der harmloseste Fall. Gut 105 FOI-Anfragen in 5 Jahren waren alleine bei der Climate Research Unit zu bearbeiten. Die meisten Anfragen betrafen Daten, die im übrigen aus anderen Quellen hätten beschafft werden können. Klimadaten werden zum Beispiel vom Deutschen Wetterdienst verkauft. Würde McIntyre sie über FOI-Anfragen kostenlos von Forschungseinrichtungen beziehen, könnte der Deutsche Wetterdienst wie alle anderen nationalen Wetterdienste solche Daten nicht mehr kostenlos für Forschungszwecke zur Verfügung stellen. Es gehört nicht viel Intelligenz dazu, zu verstehen, daß McIntyre gar nicht in der Position ist, von allen Einrichtungen beliebig Daten einzufordern, die alleine zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt werden.
All das ändert nichts daran, dass Jones aus rechtlichen Gründen die FOI-Anfragen hätte abarbeiten (lassen) müssen, anstatt zu versuchen sie zu umgehen. Dass Verschwörungstheoretiker daraus aber eine große Klimadatenmanipulation herauslesen wollen ist eher deren überreizter Phantasie als nüchterner Betrachtung der Fakten geschuldet.
Comment from Karel Vogel
Time 19. Februar 2010 at 15:30
Allein der Begriff Leugner ist ja nun der Schwachsinn per se, niemand leugnet einen Wandel des Klimas.
Was der Zimmermann da unterstellt ist ja Verschwörungstheorie reinsten Wassers.
Und den Sinn der FOI ANfraghen hat er ebenfalls nicht begriffen, sonst käme er nicht mit so einem Blödsinn wie dem DWD.
Aber über Zimmermann und seine Phantasien zu diskutieren ist so sinnlos wie ein Kropf.
Na, Ihr Schamanen, tanzt weiter Euren Erwärmungstanz und amüsiert Euch schön.
Comment from Jörg Zimmermann
Time 20. Februar 2010 at 11:26
“niemand leugnet einen Wandel des Klimas.” Schon wieder etwas, was Sie leugnen…Gerlich und Tscheuschner leugnen zum Beispiel gleich den Treibhauseffekt, Lindzen leugnet (um 1990), daß es bis 2100 mehr als 0,5 Grad wärmer werden könnte – da sind wir bald drüber, 90 Jahre vor dem Termin. Watts, Plimer, Monckton unter anderem leugnen, daß es derzeitig global steigende Temperaturen gibt, Akasofu leugnet, daß es einen Erwärmungstrend gibt, bei ihm gibt es nur Zyklen, McKitrick leugnet (zusammen mit anderen), daß es eine globale Temperatur gibt, und stellt andererseits mit Michaels fest, daß die von ihm geleugnete globale Temperatur nur aufgrund des Wärmeinseleffektes steigt, Pielke sr. leugnet, daß sich die Ozeane erwärmen (indem er nur die oberen 700 Meter betrachtet und sich die 6 Jahre der Daten herauspickt, die ihm gerade in den Kram passen). Und das waren die Profis, über die Amateure, die ganzen Blogger und Leserbriefschreiber möchte ich gar nicht reden. Alles “niemand”?
Ich unterstelle keine Verschwörungstheorien, ich belege meine Angaben. Was McIntyre da organisiert hat, ist für jeden nachvollziehbar im Internet.
FOI-Anfragen muß man natürlich bearbeiten, das ist ein Gesetz. Aber es ist eine Tatsache, daß McIntyre dieses Gesetz mißbraucht hat, und das ist ein Skandal. Es ist ebenso eine Tatsache, daß die FOI-Anfragen bearbeitet wurden (bei mir verlinkt) und daß E-mails, die Teil der Anfrage waren, nicht gelöscht wurden, anders als von verschiedenen Leuten unterstellt (siehe Untersuchungsergebnis bei Michael Mann an der Penn. State U.)
Und den insgesamt unsachlichen Tonfall sollten Sie sich sparen. Bisher haben Sie viel behauptet, aber nichts belegt.
Comment from Karel Vogel
Time 20. Februar 2010 at 13:11
Ihre Beispiele am Anfang Ihres Kommentars belegen nicht im Geringsten, daß jemand da Klima leugnet, viel heiße Luft Ihrerseits. Klima wandelt sich immer, das leugnet niemand. Und nichts ist bisher so bewisen oder belegt, daß man im Verneinungsfall von “Leugnen” sprechen kann. Selbst unter Physikern und Dozenten der Physik, insbesondere der theoretischen Physik ist der Treibhauseffekt, ein “misnomer” (Lee, 1973), eigentlich sollte er Atmosphäreneffekt heißen, ein umstrittenes Konstrukt und ich spreche Ihnen, mir auch, die Fähigkeit ab, das zu beurteilen – und kommen Sie mir nicht mit Konsens, außer Sie wollen politisch diskutieren.
Es gibt eine globale Telefonnummer, und so, wie “globale Temperaturen” ermittelt und kundgegeben werden, haben die Kritiker der mittleren Globalen Temperatur recht.
Globales Klima ist genauso ein Schwachsinn, so er sich nur an der Temperatur, s.o. orientiert.
Nun, über ein “globales Wetter”, Iher Feder entsprungen, äußere ich mich lieber nicht, daß ist jedenfallls das, was ich einen kipp-Punkt nenne, der immer dann eintritt, wenn ich vor Lachen umkippe – wie bei dem Begriff “Globales Wetter”.
Aber keine Angst, ich weiß was Sie damit ausdrücken wollen, aber trotzdem ein Kipp-Punkt.
Alles “niemand”?
Richtig, kein Leugner des Klimas und seines Wandels dabei ![]()
Ein schönes Wochenende, und nicht so mit den Zähnen knirschen….
Comment from Karel Vogel
Time 20. Februar 2010 at 13:18
Nachtrag
Überlegen Sie mal, ob Sie nicht ab und zu “Leugnen” mit “Ablehnen” oder “Widersprechen” verwechseln.
Es sind nur Hardore -isten von irgebdwas, die inflationär mit dem Wort “Leugnen” umgehen.
Dieser -isten gibt es viele, AGWisten, Alarmisten, Klimatisten um nur 3 Beispiele zu nennen, Fanatisten, die Steigerungsform des Fanatikers gehört auch dazu – suchen Sie sich eins aus, was auf Sie zutrifft.
Naja, und die Meßdiener der “Global Warming Church” stehen da ganz oben auf der Agenda.
Comment from Jörg Zimmermann
Time 20. Februar 2010 at 19:24
“und ich spreche Ihnen, (…), die Fähigkeit ab, das zu beurteilen” …das ist ja lustig!?
Tut mir leid, aber ich habe keine Zeit mit jemandem zu diskutieren, der Argumente gar nicht zur Kenntnis nimmt und sich immer nur im Kreise dreht.
Ich lasse Ihnen das letzte Wort. Machen Sie was draus…
Comment from Karel Vogel
Time 20. Februar 2010 at 19:38
Wo Sie einen Kreis sehen, sehe ich eine klare Linie, was nehmen Sie zu sich, daß sich das fü Sie zu einem Kreis biegt ?
Von welchen “Argumenten” reden Sie ?
Ich nenne das, sich unsauber aus der Affäre ziehen, machen Sie was draus.
Comment from Karel Vogel
Time 21. Februar 2010 at 20:38
[entfernt - hat nichts mit dem ursprünglichen Beitrag zu tun - Martin]
Comment from facepalm
Time 26. Februar 2010 at 00:24
@ Karel Vogel:
Sie verbeißen sich an dem lächerlichen Fakt, dass der eingeführte Begriff “Treibhauseffekt” etwas unglücklich und im Detail irreführend gewählt ist. Das ändert aber nichts an den damit beschriebenen Vorgängen.
Weiter behaupten Sie, kein “Klimaleugner” zu sein, dabei ist dieser Begriff genau dafür eingeführt, was Sie nach eigenen Bekunden darstellen: Ablehen. Der Fakten, Erkenntnisse und des Teiles der Wissenschaft, der nicht in ihr Weltbild passt.
Wäherend Sie sich darüber aufregen, “Klimaleugner” genannt zu werden, bezichtigen Sie gleichzeitig andersdenkende Personen als “AGWisten, Alarmisten, Klimatisten um nur 3 Beispiele zu nennen, Fanatisten, die Steigerungsform des Fanatikers gehört auch dazu… ” und “Meßdiener der “Global Warming Church””
Das passt: Jones, Mann, etc. werdben von Gegner zum Selbstmord aufgefordert, sie erhalten Drogungen, werden mit Sen Inhofe mit Anklagen bedroht, ja sogar von Rush Limbaugh mit “bei lebendigem Leibe ausweiden und vierteilen” (drawn and quartered) bedroht, siehe: http://www.cejournal.net/?p=2334 und
http://climateprogress.org/2010/02/25/sen-inhofe-inquisition-seeking-ways-to-criminalize-and-prosecute-17-leading-climate-scientists/
Beschäftigen Sie sich mit den Fakten, und Sie werden schnell feststellen, dass, wie oben gesagt, der “Großteil der Kritik am Verhalten der Klimaforscher keine solide Basis hat* und stellenweise zwischen Paranoia und Verschwörungstheorie einzuordnen ist.”
Zur Kritik am IPCC-Bericht empfehle ich Ihnen http://klimakrise.de/2010/02/19/phil-jones-wird-interviewt-und-sagt-das-gleiche-wie-vorher/,
zu Phil Jones http://klimakrise.de/2010/02/19/phil-jones-wird-interviewt-und-sagt-das-gleiche-wie-vorher/
* oder frei erfunden ist: http://klimakrise.de/2010/02/11/unless-we-announce-disasters-no-one-will-listen/
Comment from Jörg Zimmermann
Time 15. Februar 2010 at 08:35
Es ist wichtig, auf solche Vorgänge hinzuweisen. Zum einen zeigt es, daß die Leugner des anthropogenen Klimawandels keine Argumente haben und das wissen. Selbstbewußte Menschen, die argumentieren wollten, würden nicht so aggressiv vorgehen.
Es ist zudem eine bewußte Übernahme der Strategie, die beim Leugnen der Gefahren des (Passiv-)Rauchens wirkten: es ist sinnlos, klare Fakten anzugreifen. Stattdessen greift man die Menschen an, die diese Fakten vertreten, in der Hoffnung, daß das weniger gut informierte Publikum das Vertrauen in die Fachleute verliert. Funktioniert bei den Angriffen auf das IPCC Umfragen zufolge derzeit sehr gut.