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Bücher (deutsch)

- Elmar Altvater und Achim Brunnengräber: Ablasshandel gegen Klimawandel? VSA, 2008.
- Marcel Hänggi: Wir Schwätzer im Treibhaus. Rotpunkt, 2008.
- Chris Methmann, Alexander Haack und Jesko Eisgruber: Wem gehört der Himmel? VSA, 2007.
- George Monbiot: Hitze. Riemann, 2007.
- Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. C.H. Beck, 2007.
- Hermann Scheer: Solare Weltwirtschaft und Energieautonomie. Jeweils Kunstmann, 2005.

Bücher (englisch)

- Andrew Dessler and Edward Parson: The Science and Politics of Global Climate Change. Cambridge University Press, 2006.
- Ross Gelbspan: Boiling Point. Basic Books, 2005.
- James Hoggan: Climate Cover-Up. Greystone, 2009.
- Mike Hulme: Why We Disagree on Climate Change. Cambridge University Press, 2009.
- Mark Lynas: Six Degrees. Random House, 2008.
- Spencer Weart: The Discovery of Global Warming. Harvard University Press, 2008. Auch online.

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Wissenschaft und Politik

Die “honest broker” haben gerade Konjunktur, und diese idealisierte Form des Wissenschaftlers wurde unter anderem von Hans von Storch zum Leitbild seines Blogs “Die Klimazwiebel” erhoben. Der gute “honest broker” soll seine Rolle als Wissenschaftler so gestalten, dass er der Politik Handlungswege aufzeigt. Dem gegenüber agiert der böse “issue advocate” auf Grundlage eigener politischer Interessen und verbaut den Politikern vorhandene Handlungswege zugunsten persönlicher Überzeugungen.

Soweit die Theorie dieses meiner Meinung nach wenig durchdachten Konzepts. Eine ihrer vielen Schwächen: Durch die Erfindung des “stealth issue advocates” kann jedem Wissenschaftler, der zu anderen Schlussfolgerungen kommt als man selbst und diese auf andere Weise vertritt, vorgeworfen werden eine “politisierte Wissenschaft” zu betreiben. Von Storch zeigt wie es geht und packt mir nichts, Dir nichts, wahllos Kollegen von ihm in die Ecke totalitärer Demokratiefeinde.

Nun ist das so eine Sache mit der Demokratie. Von Storch, der selbsternannte ehrliche Makler, verteidigt sie verbissen und produziert dabei reichlich Kollateralschäden. Doch würde er seine Rolle ernst nehmen, müsste ihn ein Blick in die Werke Max Webers eines besseren belehren. Dieser erklärte 1922 in seinem Vortrag “Wissenschaft als Beruf” nämlich:

Man sagt, und ich unterschreibe das: Politik gehört nicht in den Hörsaal. Sie gehört nicht dahin von seiten der Studenten. [...] Aber Politik gehört allerdings auch nicht dahin von seiten des Dozenten. Gerade dann nicht, wenn er sich wissenschaftlich mit Politik befasst, und dann am allerwenigsten. Denn praktischpolitische Stellungnahme und wissenschaftliche Analyse politischer Gebilde und Parteistellung ist zweierlei. Wenn man in einer Volksversammlung über Demokratie spricht, so macht man aus seiner persönlichen Stellungnahme kein Hehl: gerade das: deutlich erkennbar Partei zu nehmen, ist da die verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Die Worte, die man braucht, sind dann nicht Mittel wissenschaftlicher Analyse, sondern politischen Werbens um die Stellungnahme der Anderen. Sie sind nicht Pflugscharen zur Lockerung des Erdreiches des kontemplativen Denkens, sondern Schwerter gegen die Gegner: Kampfmittel. In einer Vorlesung oder im Hörsaal dagegen wäre es Frevel, das Wort in dieser Art zu gebrauchen. Da wird man, wenn etwa von »Demokratie« die Rede ist, deren verschiedene Formen vornehmen, sie analysieren in der Art, wie sie funktionieren, feststellen, welche einzelnen Folgen für die Lebensverhältnisse die eine oder andere hat, dann die anderen nicht demokratischen Formen der politischen Ordnung ihnen gegenüberstellen und versuchen, so weit zu gelangen, dass der Hörer in der Lage ist, den Punkt zu finden, von dem aus er von seinen letzten Idealen aus Stellung dazu nehmen kann. Aber der echte Lehrer wird sich sehr hüten, vom Katheder herunter ihm irgendeine Stellungnahme, sei es ausdrücklich, sei es durch Suggestion – denn das ist natürlich die illoyalste Art, wenn man »die Tatsachen sprechen lässt« – aufzudrängen.

Weber mag Demokratie durchaus für etwas Feines gehalten haben, doch sie als praktizierender Wissenschaftler zu loben verstößt ihm zufolge gegen die wissenschaftliche Ethik.

Damit entlarvt sich das Gebilde des “honest broker” als Produkt unkritischer Theorie, als seiner eigenen Ursprünge und Wertvoraussetzungen gegenüber blindes Konstrukt. Denn wer als “honest broker” über die Möglichkeiten effektiver Klimaschutzpolitik referieren wollte, müsste tatsächlich alles zur Disposition stellen, auch die Demokratie. Verteidigt er sie, ist er nach Weber bereits ein “issue advocate” geworden. Erstaunlich, wie schnell sich Rollen manchmal tauschen können.

Es gibt eine effektive Antwort auf diese Dilemma: Anerkennen, dass alle Wissenschaft wertgebunden ist, und dass besonders die Sozialwissenschaften ohne eine Fülle an impliziten oder expliziten Werturteilen gar nicht funktionieren würden.

Frank Ackerman macht dies transparent, indem er für die Klimaökonomie aufzeigt dass Berechnungen über Kosten und Nutzen der Klimapolitik letztlich auf nicht wissenschaftlich begründbaren Annahmen beruhen. Je nach persönlicher Präferenz ist effektiver Klimaschutz ein Vielfaches günstiger als eine mittelschwere Erderwärmung, oder elendig viel teurer als selbst ein krasser Klimawandel (Stichwort: Discounting Climate Change).

Ehrlich ist es, solch vorhandene Werturteile offenzulegen und auf dieser Grundlage über Politik zu diskutieren. Sich hinter einem Idealbild “korrekter” Wissenschaftsphilosophie zu verstecken und aus diesem heraus wahllos Andersdenkende zu attackieren ist hingegen eins bestimmt nicht: Ehrlich.

Von Nils Simon

Kommentare

Comment from Jan Müller
Time 10. Januar 2010 at 11:54

Ich schaue neuerdings öfter auf der Klimazwiebel rein, und habe dort schon Leute gelesen, die in anderen Blogs durchaus lautstärker auftreten. Insofern ist es spannend zu sehen, ob v.Storch et al’s. approach beim harten Kern der Denier (die ja so gerne v.Storch vereinahmen) wirkung zeigt. Ich denke, die werden dieselbe Erfahrung wie alle anderen machen: Das für eine sinnvolle Kommunikation schlicht die Grundlage fehlt bei Leuten, die sowas wie EIKE & Konsorten goutieren. Ich bin persönlich auch der Meinung, das mitunter verdrehte Argumentationsmuster im Gebrauch sind, halte die betreffenden allerdings nicht für vergleichbar mit den Deniern (obwohl auch ich schon mal an Weber gedacht habe), worauf mMn. gerade bei expliziter Wortwahl auf jeden Fall hinzuweisen wäre.

Die Frage, welches Meinungsspektrum seriös vertretbar ist, ist ja nicht abschließend geklärt, bin mir selbst auch in Bezug auf Kopenhagen nicht recht einig. Ich möchte aber schon hinzufügen, das ich die Debatte als Zaungast verfolge.

Ansonsten nochmal: Eine schöne Seite (hier fand ich den Dasgrupta-Link sehr anschaulich), habe schon viel lernen können, die Verweise sind wirklich gut gewählt. Zumindest bei mir lohnt sich eure Mühe also :-) .

Comment from Georg Hoffmann
Time 11. Januar 2010 at 09:25

@Nils
Grundsaetzlich ist es sicher richtig, zu betonen, dass die Erkenntnisse der Klimaforschung nicht identisch sind mit der Forderung, die Reduktion von CO2 Emissionen als wichtigstes Regierungsziel zu setzen. Wahrscheinlich sind wir da einer Meinung.
Von da aber bis zu der Schlussfolgerung, dass jede Meinung, die von der eigenen abweicht, als undemokratisch zu setzen, ist es allerdings ein weiter Weg.

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