Solarenergie vor dem großen Durchbruch?
Der Photovoltaik wird zumeist nur eine Rolle als Nischenprodukt zugestanden. Es ist noch nicht lange her, da wurde sie als Spielerei, die vielleicht für Taschenrechner sinnvoll sei, abgetan. Und auch Wolfgang Hess schrieb 2003 in “Bild der Wissenschaft“:
Und auch in Deutschland wird sich – trotz viel guten Willens – an der bescheidenen Rolle der Photovoltaik vorerst nichts ändern: Wenn die installierte Leistung jährlich um 25 Prozent wächst, schaffen wir im Jahr 2010 gerade 0,5 Prozent Anteil am Gesamtstromaufkommen.
Doch jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Solarstrom schon bald nennenswert zur Stromversorgung beitragen könnte.
2008 veröffentlichten Analysten um Micheal Rogol von “Photon Consulting” zwei Studien (“Detailing Demand – Where Will All the Volume Go?” und “Solar Annual 2008“) zur Entwicklung der Photovoltaik bis 2012. Demnach wird sich die Produktion von Solarzellen in den nächsten Jahren vervielfachen: Und zwar von 3,9 GW im Jahr 2007 auf 7,1 GW in 2008, auf 14,7 GW in 2009 und in 2010 werden gar 28,8 erreicht werden. 2011 und 2012 wird die Produktion von Solarzellen nochmal kräftig zunehmen und zwar von 40,9 GW auf 52,3 GW! Hier die Solarzellenproduktion von 1995 bis 2007 und die Prognose von 2008 bis 2012 nach Photon Consulting:

Fairerweise muss erwähnt werden, dass die Prognose von Photon Consulting eher von wenigen Experten geteilt wird. Die Sarasin Bank geht in ihrer Studie “Solarenergie 2008 – Stürmische Zeiten vor dem nächsten Hoch” etwa davon aus, dass die Solarzellenproduktion “erst” im Jahr 2012 die 20 GW erreichen wird. Hier die Prognose der Sarasin Bank bis 2020:

Allerdings waren vergangene Prognosen der Sarasin Bank deutlich zu gering. So nahmen die Analysten der Bank in ihrem Bericht “Solarenergie 2006 – Licht- und Schattenseiten einer boomenden Industrie” noch an, dass die Solarzellenproduktion bis 2010 auf 4,1 GW steigen würde. In ihrem 2008er Bericht nennen sie schon einen mehr als doppelt so großen Wert.
Michael Rogol scheint sich seiner Sachen jedenfalls sehr sicher zu sein: Im Sommer 2008 bot er Wetten an (100 Wetten um jeweils 1000 Dollar), dass sie Solarzellenproduktion 2008 bei mindestens 25 GW liegt. Ob und wie viele Wetten er abgeschlossen hat, ist mir leider nicht bekannt.
Wer auch recht behalten wird, die Prognosen sind umwerfend und kaum vorstellbar. 1997 wurde zum ersten Mal mehr als 100 MW im Jahr produziert, 2004 mehr als 1.000 MW und dieses oder nächstes Jahr könnten es schon mehr als 10.000 MW sein! So ein Marktwachstum hat niemand vorhergesehen.
Doch zurück zu den Photon-Studien: Diese beschränken sich nicht nur auf eine Prognose der Solarzellenproduktion, sondern haben sich auch mit der Frage beschäftigt, wo die ganzen Solarmodule abgesetzt werden. Die Autoren sind zum Ergebnis gekommen, dass Deutschland wichtigster Abnahmemarkt bleiben wird. 2010 erwarten sie, dass hierzulande Anlagen mit mehr als 6500 MW Leistung ans Netz gehen werden. Für 2009 erwaten sie einen Zubau von über 4000 MW. Die meisten anderen Analysten erwarten dagegen im Jahr 2009 nur etwa die Hälfte. Ende des Jahres sollten wir also wissen, ob die Prognosen von Photon realisitisch sind. Zubau bis 2007 und Prognose für Deutschland 2008 bis 2010:

Sollte die Prognose eintreffen, wären Ende 2010 über 15.000 MW Photovoltaikleistung am Netz (Ende 2007 waren es knapp 4.000 MW)! Zun Vergleich: Alle deutschen Atomkraftwerke haben zusammen eine Leistung etwa 21.000 MW. Etwa 2,5% des Stromes kämen dann aus der Photovoltaik. Bis 2012 könnten es nach Photon Prognosen sogar über 8% sein! Der Anteil der erneuerbaren Energien läge dann bei über 25% des deutschen Stromverbrauchs.
Damit bin ich wieder beim Ausgangszitat aus “Bild der Wissenschaft”: Wie groß die Unsicherheiten für die zukünftige Entwicklung auch sind, die Prognose von “Bild der Wissenschaft” ist schon heute übertroffen. 2007 konnten die Solaranalgen in Deutschland knapp 0,6% des deutschen Stromverbrauchs decken (in Bayern waren es sogar schon knapp 2%).
Update:
Ich habe hier nochmal die Prognosen der Sarasin Bank aus ihren Jahresberichten zur Solarenergie (2003 bis 2007) zur Solarzellenproduktion im Jahr 2010 in einem Diagramm aufgezeichnet. Die Prognose aus dem 2003er Bericht (1,5 GW) wurde 2005 übertroffen, die aus dem 2004er Bericht (2,2 GW) im Jahr 2006, die aus dem 2005er Bericht (3,0 GW) im Jahr 2007 und die Prognose für 2010 aus dem 2006er Bericht (4,1 GW) wurde sehr wahrscheinlich 2008 übertroffen.

Update das 2.
Mittlerweile sind die Zahlen für 2008 veröffentlicht worden. Demnach wurden letztes Jahr Solarmodule mit einer Leistung von 7,9 GW hergestellt und damit noch etwas mehr als prognostiziert (7,1 GW). Die Prognose zur Solarzellenproduktion im Jahr 2010 der Sarasin Bank aus dem 2006er Bericht wurde damit schon im letzten Jahr um nahezu den Faktor zwei übertroffen.
von Martin Stolpe
Posted: 14 Februar, 2009 in Erneuerbare Energie.
Comments
Comment from Nils Simon
Posted: 11. März 2009 at 12:03
Passend dazu ist auch der vor einigen Tagen im Focus erschienene Artikel “Sonnenstrom billig wie Netzstrom”, in dessen Titel allerdings das kleine, aber bedeutende Wörtchen “bald” vergessen wurde.
Comment from cheetah-project
Posted: 12. April 2009 at 08:07
Bei der Frage nach der Effizienz oder den Erträgen von Photovoltaik geht es nicht um den Anteil am deutschen Stromverbrauch, sondern um den Anteil am so genannten Primärenergiebedarf (Gas, Kohle, Uran etc.). In Deutschland wird – wie überall sonst auf der Welt – kein Strom verbraucht, sondern ENERGIE!!
Der Ertragsanteil der Photovoltaik am Primärenergiebedarf liegt in Deutschland derzeit bei rund 0,1% und das ist bereits FÜNF mal mehr als in allen anderen EU-Staaten zusammen. Bei der von Dir angenommenen Steigerung der installierten Nennleistung von 25% pro Jahr kämen wir im Jahre 2012 auf gut 0,2% Primärenergiebedarfs-Deckung.
Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen, denn die Nennleistung aller installierten Photovoltaikanlagen mit denen eines Atomkraftwerkes in Verbindung zu bringen ist völlig sinnfrei, weil Photovoltaik eben NICHT GRUNDLASTFÄHIG ist, d.h. keine konstante Spannung liefert, um den Primärenergieverbrauch wesentlich zu mindern.
Ökologisch ist es auch nicht, weil jeder Stromkonzern in infolge des eingesparten CO2 seine hierfür nicht mehr benötigten (von der EU vergebenen Emissionslizenzen) entsprechend weiter veräußern kann. Die Emission wird also nur verlagert, die CO2-Billanz ist gleich NULL!!
Sozial ist das ganze erst recht nicht, denn Photovoltaik ist ein in den ersten Jahren lukratives Investitionsmodell für reiche Leute, die ihren Strom aufgrund des EEG für anfangs knapp 47 ct ins Netz einspeisen können. Die Kosten dafür werden einfach auf den Strompreis umgelegt. Das dürfen dann alle Rentner und Geringverdiener mitbezahlen, für die Steigende Energiepreise eben KEINE peanuts sind, sondern die sehen müssen, wie sie mit ihrem wenigen Geld über die Runden kommen.
Photovoltaik in Deutschland ist also nix weiter als ein Milliarden-Subventionsgrab! Dank der hohen Einspeisevergütung werden auch die Preise für die Module künstlich hochgehalten, obwohl die Firmen diese meist billig aus Asien beziehen.
Abschließend sollte man auch eines nicht vergessen: Wir sind – verglichen mit anderen Ländern – ein relativ sonnenarmes Land und trotzdem findet bei uns diese irrsinnige Förderung von Solarenergie statt. Ich hoffe sehr, dass dem bald ein Ende bereitet wird!
Comment from Thorsten
Posted: 21. April 2009 at 17:48
@ Nils
Schade, dass Du keine neuen Beiträge mehr bringst…
[Antwort: Tut mir auch leid, ich bin gerade schwer beschäftigt... im Mai wirds wieder besser, versprochen! Nils]
Comment from Eddy
Posted: 25. April 2009 at 14:57
Hi,
Was man mit der verfrühten Förderung alternativer Energien so alles anrichten kann, sieht man in Spanien:
http://sciencepolicy.colorado.edu/prometheus/the-spanish-green-jobs-study-5144
“7. The study calculates that since 2000 Spain spent €571,138 to create each “green job”, including subsidies of more than €1 million per wind industry job.
8. The study calculates that the programs creating those jobs also resulted in the destruction of nearly 110,000 jobs elsewhere in the economy, or 2.2 jobs destroyed for every “green job” created.”
MfG
Eddy
[Antwort: Erstaunlich. Für Deutschland findet man da ganz andere Zahlen, siehe etwa den aktuellen Umweltwirtschaftsbericht. Die Studie ist auch (wie üblich) schon kritisch hinterfragt worden. Nach meiner Ansicht aus gutem Grund bewerten etwa die ILO und UNEP das Thema "Green Jobs" deutlich positiver als die spanische Studie. Nils]
Comment from Eddy
Posted: 25. April 2009 at 21:29
@Nils
Danke für die interessanten Links! Vor allem das von der ILO muss ich einmal genauer durchlesen.
MfG
Eddy

Comment from Florian Zurheiden
Posted: 20. Februar 2009 at 15:09
25% Stromerzeugung aus EE klingt ja schön und gut. Bleiben aber noch 75% aus den “alten” Dreckschleudern. Eine ernüchternde Zahl!! Dabei sind 100% alternative Energien schneller realisierbar, wenn man auf die Forschung und Entwicklung neuartiger Technologien setzen würde.