Wirklich günstiger Klimaschutz
McKinsey hat jüngst einen Bericht zur Ökonomie des Klimaschutzes veröffentlicht. “Pathways to a Low-Carbon Economy” (PDF, 6,9MB) ist ein knapp 200 Seiten starkes Dokument, in dem die Unternehmensberater mit Unterstützung von zehn Konzernen und NGOs – darunter Vattenfall, Volvo, Shell, WWF, Carbon Trust und ClimateWorks – die Kosten und Nutzen von 200 Treibhausgas-Reduktionsmaßnahmen errechnet haben.
Nun sind “Kosten” und “Nutzen” im Klimaschutz eine sehr wackelige Angelegenheit. Schließlich werden hier ein paar Cent Abgaben für das EEG in Deutschland gegen den grönländischen Eisschild oder Ernährungssicherheit in Ostafrika aufgerechnet, wofür “fragwürdig” der harmloseste und “Zynismus” ein immerhin mittelprächtig passender Ausdruck ist.
Interessant an McKinseys Bemühungen ist besonders die linke Hälfte der folgenden Grafik: Dort werden Maßnahmen gezeigt, die in den umsetzenden Staaten gleichzeitig die CO2-Emissionen senken und einen direkten wirtschaftlichen Nettogewinn nach sich ziehen:

Kosten für 200 verschiedene CO2-Reduktionsmaßnahmen. Negative Kosten (linke Hälfte) zeigen einen Nettogewinn der Maßnahmen an. Quelle: McKinsey 2009: Pathways to a Low-Carbon Economy.
Würden alle hier vorgestellten Maßnahmen umgesetzt (deren Kosten unterhalb von 60€ je Tonne CO2 liegen), könnten dem Bericht zufolge 38 Gt CO2e jährlich hochgerechnet auf das Jahr 2030 eingespart werden. Damit wären die Emissionen in der Zukunft 55% geringer, als es das Business-as-usual-Szenario vorsieht (das von jährlichen Emissionen über 70 Gt ausgeht). Verglichen mit 2005 wäre das noch eine Reduktion um 30%, und immerhin noch um 10% gemessen am Jahr 1990 (was ich etwas seltsam finde, schließlich lagen wir 2007 noch bei 10 Gt Kohlenstoffäquivalenten, was etwa 37 Gt CO2e entspricht. Damit hätte man also bestenfalls eine Stabilisierung bis 2030 erreicht.).
Das gesamte Paket würde gegen 2030 schätzungsweise €200 bis €350 Milliarden jährlich kosten, weniger als 1% des globalen BIP bis dahin. Während die relativ moderaten Kosten für Kenner des IPCC-Berichtes wie auch des Stern-Reports keine Überraschung darstellen, erstaunt vor allem eins: Dass noch nicht längst alles mit negativen Kosten (= Nettogewinnen) Verbundene umgesetzt wurde, sondern eine so leicht erschließbare Ressource zu sein scheint. Das Geld liegt eben manchmal auf der Straße, aber keiner will sich bücken.
Von Nils Simon
Eingetragen: Februar 11th, 2009 unter Klimaschutz, Klimaökonomie.