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Stickstofftrifluorid und die Klimabilanz von Solarzellen

Hinter dem recht schnöden Titel verbirgt sich ein interessantes Thema. Aber der Reihenfolge nach: Vor einigen Wochen war auf den üblichen Skeptikerseiten zu lesen, dass Solarenergie nach neuen Erkentnisse ein „Klimakiller sei“ (siehe z.B. hier und hier) und es wurde gefordert, dass „die Förderung für die Installation von Solarpanels als “Klimaschutzmaßnahme” wohl besser nochmal überdacht werden“ solle.

Was steckt dahinter?

Bei der Herstellung von Dünnschichtsolarmodulen wird Stickstofftrifluorid (NF3) verwendet (zur Reinigung der Reaktoren in denen amorphes und mirkokristallines Silizium abgeschieden wird). NF3 ist ein sehr starkes Treibhausgas und hat nach Robson et al. 2006 und Prater und Hsu 2008 ein Treibhauspotential von 16.800. Das heißt, dass 1 kg NF3 in der Atmosphäre die gleiche Treibhauswirkung wie 16.800 kg CO2 haben (bezogen auf einen Zeithorizont von 100 Jahren). Dieses hohe Treibhauspotential hat zwei Ursachen: Zum einen sind die Absorptionsbanden von NF3 noch ungesättigt, da es bisher kaum in der Atmosphäre vorkommt und zu anderen bleibt es sehr lange in der Atmosphäre (etwa 550 Jahre).
Bisher dachte man, dass dies kein allzu großes Problem sei, da NF3 beim Reinigungsprozess zerstört wird (es entstehen N2 und SiF4) und daher nicht in die Atmosphäre gelangt. Die Industrie nahm an, dass nur etwa 2% des hergestellten Stickstofftrifluorids den Weg in die Atmospähre findet.

NF<sub>3</sub>-Messungen nach Weiss et al. 2008

NF3-Messungen nach Weiss et al. 2008

Nun haben Weiss et al. 2008 aber durch Messungen von aufbewahrten Luftproben gezeigt (siehe oben), dass mehr NF3 in die Atmosphäre gelangt als gedacht: Und zwar etwa 16% des verwendeten Stickstofftrifluorids und nicht nur 2%. Da NF3 nur in sehr geringer Konzentration in der Atmospähre vorkommt (derzeit etwa 0,4 ppt, Teilchen pro Billion Luftteilchen), waren solche Messungen vorher nicht möglich.
Nach Schätzung von Prather und Hsu 2008 werden dieses Jahr etwa 4.000 Tonnen Stickstofftrifluorid produziert, davon gelangen etwa 620 Tonnen in die Atmosphäre (hat die Treibhauswirkung von etwa 10,4 Mio. Tonnen CO2).
Nun zurück zur Solarindustrie: Von dem hergestellten NF3 wird das meiste für die Halbleiterindustrie und die Fertigung von Flachbildfernsehern benötigt. „Air Products“, der größte Hersteller von NF3, hat mir auf Anfrage mitgeteilt, dass sie weniger als 1% des von ihnen hergestellten Stickstofftrifluorids an die Solarindustrie liefern würden. Da ich berechnen möchte, wie stark sich NF3 im ungünstigsten Fall auf die Klimabilanz von Solarmodulen auswirken könnte, rechne ich mal großzügig, dass 1% des weltweit hergestellten Stickstofftrifluorids an die Solarindustrie geht (in diesem Jahr dann also etwa 40 Tonnen).
In der Grafik unten habe ich die jährlich produzierten Solarzellen (in MW) zwischen 1975 und 2008 (2008 Schätzung nach Photon Consulting) eingetragen. Nur ein Bruchtteil der hergestellten Solarzellen ist von der NF3 Problematik berührt: Und zwar nur die Dünnschichtsolarmodule, die aus amorphem (a-Si) und mirkokristallinem (µ-Si) Silizium hergestellt werden. Das waren 2007 etwa 6% aller hergestellten Solarzellen, ca. 220 MW. Alle anderen Solarzellen sind also von der NF3 Problematik unberührt.

2008 werden nach Schätzung der Sarasin Bank etwa 477 MW a-Si und µ-Si Solarmodule hergestellt werden. Photon kommt in seiner Erhebung auf maximal 500 MW und auf Basis der prognostizierten Herstellung von Solarzellen mit insgesamt 7.100 MW im Jahr 2008 wären es bei konstantem Anteil von 6% knapp 430 MW. Da ich, wie gesagt, eine obere Abschätzung machen möchte, nehme ich die 430 MW. Angenommen diese 430 MW Dünnschichtsolarmodule werden über 25 Jahre Strom produzieren (wahrscheinlich deutlich länger, allerdings sinkt der Ertrag mit der Zeit etwas) und im Durchschnitt 1.300 kWh/kW pro Jahr produzieren werden (das ist natürlich standortabhängig: In Deutschland können es auch nur 850 kWh/kW sein, in Kalifornieren dagegen 1.800 kWh/kW oder mehr. Dünnschichtsolarmodule eignen sich übrigens besonders gut für heiße Gegenden, da ihre Leistung mit der Temperatur nur etwa halb so schnell wie die von herkömmlichen Solarmodulen abfällt). Insgesamt ergibt sich dann ein Ertrag von knapp 14 Mrd. kWh.
Nimmt man jetzt an, dass auch 16% des von der Solarindustrie benutzten Stickstofftrifluorids in die Atmosphäre gelangt – es dürften deutlich weniger sein, da die Solarindustrie noch eine sehr junge Industrie mit modernen Fabriken ist. Das meiste NF3 setzten nach Robson et al. 2006 veraltete Produktionsanlagen frei (und zwar bis zu 30% des eingesetzten NF3) – dann ergibt sich eine zusätzliche Belastung des Solarstroms aus amorphen Dünnschichmodulen von etwa 7 g CO2,äq./kWh. Und das ist die obere Grenze des vorstellbaren. Vermutlich ist es viel weniger (gelangen bei der Solarindustrie beispielsweise nur 2% des NF3 in die Atmosphäre, dann wären es < 1 g/kWh).
Jedenfalls sind solche Aussagen wie „Solaranlagen sind Klimakiller“ völlig aus der Luft gegriffen. Die Autoren hätten lieber mal selber nachrechnen sollen (aber ein Skeptiker beschränkt sich heutzutage wohl auf reißerische Überschriften). Solaranlagen produzieren heute nach Fthenakis et al. 2008 zwischen 21 g CO2,äq./kWh (CdTe) und 43 g CO2,äq./kWh (Monokristallines Silizium)) und sind somit wahre Klimaschützer woran auch NF3 nichts ändert. Zum Vergleich: Das in Hamburg geplante Kohlekraftwerk „Moorburg“ wird etwa 720 g CO2/kWh produzieren.

Von Martin Stolpe

Comments

Comment from Florian
Posted: 19. November 2008 at 13:23

Schade eigentlich nur, dass die Photovoltaik eigentlich immer noch relativ teuer ist und damit ziemlich lange braucht um sich zu amortisieren.

Comment from Müller
Posted: 19. November 2008 at 15:56

Ich habe mal nachgerechnet und komme dabei auf etwa 10-15 g CO2,äq./kWh durch NF3 bei der Herstellung von Dünnschichtsolarmodulen. Berücksichtigt habe ich auch, dass Dünnschichtsolarmodule nicht so leistungsfähig sind wie herkömmliche Module. Der Wirkungsgrad liegt nur bei etwas über 10%, Hochleistungsmodule haben einen Wirkungsgrad bis 20%.

Problematisch auch, dass die Dünnschichtsolarmodule einen immer größeren Marktanteil erlangen, da sie kostengünstiger sind und z.B. in Fensterscheiben verbaut werden können -> Geringer Wirkungsgrad, keine optimale Ausrichtung, geringen Ausbeute, mehr NF3-Einsatz zur Produktion, schlechtere CO2,äq-Bilanz.

Weitere Aspekte, welche du vergessen hast.

NF3 ist ein künstliches Gas und kommt nicht natürlich in der Atmosphäre vor, im Gegensatz zu CO2, CH4, …

Die Hauptlinie der IR-Absorption von NF3 liegt bei 900 cm^-1, oder 11 Mikrometer. Eine Nebenlinie liegt bei 1250 cm^-1, oder 8 Mikrometer.

http://www.ansyco.de/CMS/frontend/index.php?idcatside=124&show=285

Da ist nichts gesättigt und bisher auch nichts an Atmosphärengasen vorhanden was stark absorbiert. Vor allem bei 11 Mikrometer. Das liegt mitten im IR-Ausstrahlungsfenster der Erde. Da bedarf es keiner Absorptionsbanden. Die 11 Mikrometer-Linie haut rein wie sonst was und auch die 8 Mikrometer-Linie!

http://www.ems.psu.edu/~brune/m465/m_ir_absorption.jpg
http://www.earth.northwestern.edu/people/seth/202/lectures/Atmosphere/greenhouse.jpg

Was bedeutet das? Bis in die 90er Jahre hinein war NF3 sogut wie nicht in der Atmosphäre vorhanden. Mit der Verwendung in der Industrie wird es in die Luft geblasen und schließt gleich 2 Wellenlängen mitten im Ausstrahlungsfenster. Das Problem sind hier nicht die Banden (Randbereiche der Absorptionslinien) von NF3, sondern dessen Absorptionslinien an sich, die es vorher einfach nicht gab! Man fährt diese Linien also von „Null auf Hundert“ in relativ kurzer Zeit hoch. Alles was nachträglich noch hinzu kommt ist marginal, wie beim CO2. Die Banden sind weitgehend ausgereizt.

Weiter hast du in der Bilanz vergessen, dass NF3 ein Ozonkiller ist. Fluor-Radikale sind ozonschädigende Verbindung und weisen ein hohes ODP (Ozone Depletion Potential) auf, also ozonabbauendes Potential und werden deshalb maßgeblich für den Abbau der Ozonschicht in der Atmosphäre verantwortlich gemacht.

Also eine gute CO2-Bilanz auf Kosten des Ozonlochs?

Mal ganz abgesehen davon, dass durch den Handel von CO2-Zertifikaten und Solarstrom keine CO2-Einsparung erfolgt. Subventioniert wird der Solarstrom aber durch eine Vergütung von ca. 50 Cent/kWh. Die Umlage von über 40 Cent/kWh geht auf Kosten jedes einzelnen Stromkunden. Die Stromkunden bezahlen diese hohe Umlage und Förderung des Solarstroms mit ihrer Hände Arbeit. Dieses Geld muss erwirtschaftet werden, dabei wird natürlich, wie sollte es auch anders sein, auch CO2 erzeugt. Das wird in deiner Berechnung ebenfalls nicht berücksichtigt.

Comment from Martin Stolpe
Posted: 19. November 2008 at 17:21

@Müller:

Ich habe mal nachgerechnet und komme dabei auf etwa 10-15 g CO2,äq./kWh durch NF3 bei der Herstellung von Dünnschichtsolarmodulen. Berücksichtigt habe ich auch, dass Dünnschichtsolarmodule nicht so leistungsfähig sind wie herkömmliche Module. Der Wirkungsgrad liegt nur bei etwas über 10%, Hochleistungsmodule haben einen Wirkungsgrad bis 20%.

Könntest du deine Rechnung mal posten?

Der Wirkungsgrad ist völlig egal, da er sich nicht auf den Ertrag pro kW auswirkt.

Problematisch auch, dass die Dünnschichtsolarmodule einen immer größeren Marktanteil erlangen, da sie kostengünstiger sind und z.B. in Fensterscheiben verbaut werden können -> Geringer Wirkungsgrad, keine optimale Ausrichtung, geringen Ausbeute, mehr NF3-Einsatz zur Produktion, schlechtere CO2,äq-Bilanz.

Ahso Dünnschichtsoalrmodule erlangen einen immer größeren Marktanteil? Mal auf die Zahlen geschaut: 1999 waren es 13%, 2007 12,3% und für 2010 prognostiziert Photon Consulting 9%. Unglaublicher Zuwachs an Marktanteilen…
Was ist das Problem eines geringeren Wirkungsgrades? Flächen gibt es genug und vorallem kann man mit Dünnschichtmodulen auch Solaranlagen bauen, wo es mit herkömmlichen Solarmodulen nicht möglich wäre (aufgrund des geringeren Gewichtes). Warum ist keine optimale Ausrichtung möglich (bei herkömmlichen Solarzellen aber schon?). Der Ertrag ist etwa der gleiche (in heißen Gegenden sogar besser, siehe Artikel) und ebenso ist die CO2äq. Bilanz besser (siehe Artikel…). Wäre schon nicht schlecht den Artikel zu lesen, bevor man ein Kommentar postet.

Weitere Aspekte, welche du vergessen hast…

Wie gesagt: Es wäre nicht schlecht den Artikel zu lesen. Ja, NF3 ist ein starkes Treibhausgas, es hat ein GWP von 16.800 auf 100 Jahre bezogen. So wies im Artikel steht.

Comment from Wolfgang Flamme
Posted: 19. November 2008 at 17:37

Stimme ich größtenteils zu, treibhauswirksame Hilfsstoffe sind nun nicht das Problem, zumal sich dafür wohl auch vergleichsweise einfach Ersatzstoffe finden und verbesserte Rückhaltetechniken entwickeln lassen.

Ein ‘wahrer Klimaschützer’ ist die PV allerdings wirklich nicht – man bekommt für ein Heidengeld eben arg wenig fossile Substitution.

Comment from Müller
Posted: 19. November 2008 at 23:25

@Martin

Du schreibst:

„Der Wirkungsgrad ist völlig egal, da er sich nicht auf den Ertrag pro kW auswirkt.“

Das ist richtig. Allerdings braucht man bei Dünnschichtmodulen, aufgrund des geringeren Wirkungsgrades eine größere Fläche, um die gleiche, installierte Anlagenleistung wie bei herkömmlichen Modulen zu erreichen. Eine größere Fläche ist auch schwerer optimal in Richtung Sonne auszurichten. (Auf Häuserdächern, etc.). Das bedeutet eine geringere Ausbeute.

Du schreibst jetzt:

„Ahso Dünnschichtsoalrmodule erlangen einen immer größeren Marktanteil? Mal auf die Zahlen geschaut: 1999 waren es 13%, 2007 12,3% und für 2010 prognostiziert Photon Consulting 9%.“

Im Eingangsbeitrag schreibst du noch:

„Nur ein Bruchtteil der hergestellten Solarzellen ist von der NF3 Problematik berührt: Und zwar nur die Dünnschichtsolarmodule, die aus amorphem (a-Si) und mirkokristallinem (µ-Si) Silizium hergestellt werden. Das waren 2007 etwa 6% aller hergestellten Solarzellen, …“

Wo sind wir nun? Bei 6% oder 12,3% Marktanteil???

Hier lese ich was von 10% in 2007 und 18% bis 2011 (soweit ich dem Text entnehmen kann ist das auf Europa bezogen).

http://www.elektronikpraxis.vogel.de/stromversorgung/articles/95626/
http://www.solarserver.de/news/news-7758.html

Weiter lese ich das hier:

„Das Geschäft mit den hauchdünnen Modulen lohnt sich, die Branche boomt. Die Banken-Profis sagen für 2010 ein Marktvolumen von rund 8,9 Milliarden Euro voraus. Nach aktuellen Schätzungen der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) wird der Marktanteil für Dünnschicht-Module dann bei 20 Prozent liegen.“

http://www.stern.de/wissenschaft/natur/:D%FCnnschicht-Solarzellen-Sonnenschein-Spartarif/562815.html

Du schreibst:

„Angenommen diese 430 MW Dünnschichtsolarmodule werden über 25 Jahre Strom produzieren (wahrscheinlich deutlich länger, allerdings sinkt der Ertrag mit der Zeit etwas) …“

Da lese ich hier aber etwas anderes:

„Bekannt sei auf der anderen Seite, dass die Dünnschicht-Module verglichen mit Wafer-Lösungen weniger Leistung bringen. Und es gebe einen noch wichtigeren Faktor, der die Nutzer beim Einsatz von Dünnschicht-Solarzellen zögern lasse: Die Unsicherheit in punkto Lebensdauer dieser Module.“

http://www.elektronikpraxis.vogel.de/stromversorgung/articles/95626/

So und jetzt rechne das mal neu aus.

Zuletzt schreibst du:

„Wie gesagt: Es wäre nicht schlecht den Artikel zu lesen. Ja, NF3 ist ein starkes Treibhausgas, es hat ein GWP von 16.800 auf 100 Jahre bezogen. So wies im Artikel steht.“

Hast du überhaupt gelesen, was ich zu der IR-Absorption von NF3 geschrieben habe? Vermutlich nicht.

Comment from Martin Stolpe
Posted: 20. November 2008 at 00:12

@Müller:

Eine größere Fläche ist auch schwerer optimal in Richtung Sonne auszurichten. (Auf Häuserdächern, etc.). Das bedeutet eine geringere Ausbeute.

Das ist reine Spekulation. Es kann genauso gut sein, dass der Hausbesitzer dann halt statt 10 kW sich nur 5 kW aufs Dach setzt. Dünnschicht wird außerdem oft für Freiflächenanlagen verwendet und die sind immer optimal ausgerichtet. Davon mal abgesehen ist das für die Rechung völlig irrellevant: Allein im Anteil des freigesetzten NF3 steckt eine Unsicherheit, wogegen das mehr oder weniger egal ist.

Wo sind wir nun? Bei 6% oder 12,3% Marktanteil???

Es gibt nicht nur a-Si und µ-Si Dünnschichtmodule, sondern noch CdTe und CIS (und noch einige Nischenprodukte).

Hier lese ich was von 10% in 2007 und 18% bis 2011 (soweit ich dem Text entnehmen kann ist das auf Europa bezogen). [...]

Halten wir doch fest: Was du geschrieben hast (“Problematisch auch, dass die Dünnschichtsolarmodule einen immer größeren Marktanteil erlangen”), stimmt nicht. Der Marktanteil ist in den letzten 10 Jahren etwa konstant geblieben. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen müssen. Der Dünnschicht wurde schon immer eine rosige Zukunft versprochen (vorallem in Zeiten knappen Siliziums), hat sich bisher aber nicht bestätigt.

Ist für den Eingangstext aber auch ziemlich irrelevant, Dünnschichtsolarmodule schneiden in ihrer CO2-Bilanz ja sogar besser als herkömmliche Solarzellen ab.

Da lese ich hier aber etwas anderes

Ich habe mir mal erlaubt den Link zu reparieren. Eine Primärquelle wäre nicht schlecht.
Was soll ich neu ausrechnen? Poste du doch mal deine Rechnung wie du auf 10-15 g kommst. Wie hast du gerechnet?

Comment from Müller
Posted: 20. November 2008 at 14:29

Hallo Martin.

„Das ist reine Spekulation. …“

Nun gut, vielleicht denke ich immer zu weit voraus.

„Davon mal abgesehen ist das für die Rechung völlig irrellevant: Allein im Anteil des freigesetzten NF3 steckt eine Unsicherheit, wogegen das mehr oder weniger egal ist.“

Der Einwand ist nicht ganz korrekt. Module, die nicht optimal ausgerichtet sind erzeugen auch weniger kWh Ertrag pro kWp inst. Leistung. Selbes gilt, wenn die Leistung der Module durch Altersschwäche abnimmt. Sollten die Module 25 Jahre halten, so liegt die durchschnittliche Leistung bei 80-90%, nach Angaben der Hersteller.

Du rechnest mit durchschnittlich 1.300 kWh/kWp Ertrag. Ich würde aufgrund der oben genanten Sachverhalte mit nur 1.000 kWh/kWp Ertrag rechnen. Eine weitere Frage ist, wie viel der Module in sonnenreichen Ländern installiert werden und wie viele im sonnenarmen Nordeuropa?

Meine Rechnung:

4.000 t NF3 werden pro Jahr produziert.
1% an Solarindustrie.
-> 40 t NF3 pro Jahr an Solarindustrie.
16% gelangen in Atmosphäre -> 6,4 t pro Jahr
17.200 fache Wirksamkeit von CO2 x 6,4 t = 110.080 t CO2,äq

Marktanteil Dünnschichtsolarmodule 6%
6% von 7.100 MW pro Jahr produzierter PV-Leistung (Anlagenleistung)
-> 426 MW pro Jahr produzierte Anlagenleistung von Dünnschichtsolarmodulen

Bei 25 Jahren Lebensdauer und 1.000 kWh/kWp Ertrag
-> 426.000 kW x 25 x 1.000 = 10,65 Mrd. kWh Ertrag

-> 110.080.000.000 g / 10,65*10^9 kWh = 10,34 g CO2,äq./kWh

In Anbetracht der Unwissenheit über Lebensdauer und Ertrag halte ich das für eine sehr optimistische Abschätzung.

„Es gibt nicht nur a-Si und µ-Si Dünnschichtmodule, sondern noch CdTe und CIS (und noch einige Nischenprodukte).“

Ist mir durchaus bekannt.

„Halten wir doch fest: Was du geschrieben hast (”Problematisch auch, dass die Dünnschichtsolarmodule einen immer größeren Marktanteil erlangen”), stimmt nicht. Der Marktanteil ist in den letzten 10 Jahren etwa konstant geblieben. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen müssen. Der Dünnschicht wurde schon immer eine rosige Zukunft versprochen (vorallem in Zeiten knappen Siliziums), hat sich bisher aber nicht bestätigt.“

Halten wir fest, es gibt da verschiedene Zahlen, die im Umlauf sind.

„Ist für den Eingangstext aber auch ziemlich irrelevant, Dünnschichtsolarmodule schneiden in ihrer CO2-Bilanz ja sogar besser als herkömmliche Solarzellen ab.“

Kann schon sein. Dafür wird bei deren Herstellung mehr NF3 verbraucht und mehr Fläche benötigt, um den selben Ertrag wie bei herkömmlichen Modulen zu erzielen. NF3 als Äquivalent von CO2 zu betrachten halte ich zudem für ziemlich absurd. NF3 hat nicht nur ein anderes IR-Absorptionsspektrum, sondern produziert auch Fluor-Radikale, welche zur Zerstörung der Ozonschicht beitragen können.

„Was soll ich neu ausrechnen?“

Die gesamte CO2-Bilanz von Solarmodulen, einschließlich der von mir genannten „unberücksichtigten“ Faktoren. Zudem die Auswirkung von NF3 auf die „Strahlungsbilanz“ und das Ozonloch.

Also ich hätte an deiner Stelle geschrieben, dass NF3 und fluorhaltige Ersatzstoffe verboten gehören und keine Rechnung aufgestellt, wie gut trotzdem die Bilanz ist.

Comment from Martin Stolpe
Posted: 20. November 2008 at 18:22

Och Müller,
natürlich verringert sich der Ertrag pro kW Anlagenleistung bei nicht optimaler Ausrichtung. Es ist und bleibt aber weitehrin reine Spekulation, ob Dünnschichtzellen aus amorphen Silizium genrell schlechter als herkömmliche Solarzellen ausgerichtet sind und hat nichts mit weiterdenken zu tun. Und warum berücksichtigst du bei deinem “Weiterdenken” nicht, dass die Leistung der Dünnschichtmodule bei Hitze langsamer sinkt als die von herkömmlichen Solarzellen (nur etwa halb so stark) (dies ist im Gegensatz zu deinen Spekualtionen ein tatsächlich gemessener Effekt)?
Heutige Module halten sich länger als 25 Jahre. Nack Klaus Kiefer spricht auch gegen 40 Jahre Lebensdauer physikalisch nichts und die angenomme Degradation können die Messungen seines Instituts übrigens nicht bestätigen. Damit ist ein Ertrag von insgesamt 32.500 kWh pro kW auch in unseren Breiten realistisch; nur werden Dünnschichtsolarmodule nicht nur hier errichtet.
Bis auf das GWP (wurde in Prather und Hsu 2008 aktualisiert auf 16.800) und der Anteil dessen was in die Atmosphäre gelangt (ich habe 16% geschrieben, genauer sind es 15,5%, rechne mal nach) ist deine Rechnung identisch.
Da du Null belastbare Zahlen/Quellen hast, finde ich deinen Satz

In Anbetracht der Unwissenheit über Lebensdauer und Ertrag halte ich das für eine sehr optimistische Abschätzung.

Recht amüsant. Realisitisch sind es vielleicht 2-3 g/kWh.

Ebenso amüsant finde ich die die beiden folgenden:

Ist mir durchaus bekannt.

Warum fragst du dann?

Halten wir fest, es gibt da verschiedene Zahlen, die im Umlauf sind.

Ja, über die Zukunft…Deine Aussage beschrieb aber eine Tatsache, war also leider falsch.

Comment from A. Schmalz
Posted: 17. Dezember 2009 at 12:56

Ganz erlich:

Wenn ich mir das hier so durchlese sind
1. Solarzellen, die selbst 10g CO2 immer noch besser als ein Kohlekraftwerk mit 700g.
2. Frage ich mich warum man dann nicht dafür sorgt das dies Gase nicht in die Umwelt kommt wenn man doch weiß wie Problematisch sie sind.

3. Wie sieht es algemein aus mit der Umweltverträglichkeit (Herstllung, auch der Rohstoffe, und Entsorgung, Entweichen irgendwelche anderen Stoffe in die Umwelt wärend des Betriebs).
4. Ist wirklich so einfach das wir sagen das wir lieber das kleinere übel in Kauf nehmen?

Comment from Nils Simon
Posted: 17. Dezember 2009 at 13:06

A. Schmalz: Zur Ökobilanz von PV siehe z.B. hier.

Pingback from Anonym
Posted: 19. Januar 2010 at 12:56

[...] [...]

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