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- James Hoggan: Climate Cover-Up. Greystone, 2009.
- Mike Hulme: Why We Disagree on Climate Change. Cambridge University Press, 2009.
- Mark Lynas: Six Degrees. Random House, 2008.
- Roger Pielke, Jr.: The Climate Fix. Basic Books, 2010.
- Stephen Schneider: Science as a Contact Sport. National Geographic, 2009.
- Spencer Weart: The Discovery of Global Warming. Harvard University Press, 2008. Auch online.

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Gerade wabert eine Kabarettvorstellung von Vince Ebert durch die Blogsphäre, in der sich der diplomierte Physiker (allerdings weder Atmosphären-, Geo- noch sonstwie klimarelevanter Physiker) hübsch abschätzig und stellenweise sogar mäßig amüsant über die Klimaforschung äußert. Nun, er und ich sind beide fachfremd, er im engeren und ich im weiteren Sinne – sieht man mal davon ab, dass Ebert laut Wikipedia seit seinem Physik-Diplom 1994 als Unternehmensberater und Marktforscher, nicht aber als aktiver Wissenschaftler tätig war. Mal sehen was an seiner Argumentation dran ist. Hier das Video:

Ich will nur ein paar mir aufgefallene Punkte herausgreifen (Zitate sind sinngemäß wiedergegeben):

- “Ersetzt ein Kohlekraftwerk – mit einer Solaranlage, welche die Fläche von ganz Wiesbaden braucht!” (ab 2:10)

Weiß der Geier was Ebert gegen Aufdach-Photovoltaikanlagen in Großstädten hat, die sonst ungenutzt vor sich hin bewettert werden. Aber bequemerweise werden der Flächenbedarf vom Braunkohle-Tagebau respektive die Arbeitsbedingungen in Kohleflözen in Schwellen- und Entwicklungsländern, aus denen der Weltmarkt gespeist wird, gleich ganz weggelassen.

- “Höhere Temperaturen haben positive Aspekte: Die Heizkosten weltweit werden sinken.” (ab 3:29)

Ja, und der Kühlbedarf wird deutlich steigen. Während Klimaanlagen in Privathaushalten lange Zeit dankenswerterweise weitgehend ein Phänomen innerhalb der USA geblieben, aber mittlerweile weltweit anzutreffen sind, sind sie bei Nutzgebäuden wie Bürotürmen schon lange auch bei uns usus. Wenn in Indien ein Lebensstandard wie in Mitteleuropa erreicht sein sollte, wird die ansteigende Kühllast die hiesigen Einsparungen an Heizenergie bei weitem in den Schatten stellen. Nehmt eine Mega-Metropole wie Mumbai (Bombay): Eine Jahresmitteltemperatur von aktuell knapp 27°C bei fast 14 Millionen Einwohner/innen. Oder Bengaluru (Bangalore): 5 Millionen Einwohner/innen, Jahresmitteltemperatur 23,6°C. Kühlbedarf ist da mehr als genug vorhanden. Mexiko-Stadt liegt im Jahresmittel bei 15,9°C, und die Winterwerte liegen konstant über 12°C. Bei über 19 Millionen Einwohner/innen muss da viel gekühlt und wenig geheizt werden. In Peking wiederum sind die Winter kälter, die Sommer aber auch deutlich heißer als beispielsweise in Berlin. Welcher der Effekte jetzt größer ausfallen wird? Schwer zu sagen, Eberts zur Schau gestellte Sicherheit hätte ich da aber nicht. Das IPCC schreibt:

Climate change is likely to affect both energy use and energy production in many parts of the world. Some of the possible impacts are rather obvious. Where the climate warms due to climate change, less heating will be needed for industrial, commercial and residential buildings, and cooling demands will increase (Cartalis et al., 2001), with changes varying by region and by season. [...]Regions with substantial requirements for both cooling and heating could find that net annual electricity demands increase while demands for other heating energy sources decline (Hadley et al., 2006). [...] Tol (2002a, b) estimated the effects of climate change on the demand for global energy, extrapolating from a simple countryspecific (United Kingdom) model that relates the energy used for heating or cooling to degree days, per capita income, and energy efficiency. According to Tol, by 2100 benefits (reduced heating) will be about 0.75% of gross domestic product (GDP) and damages (increased cooling) will be approximately 0.45%, although it is possible that migration from heating-intensive to cooling-intensive regions could affect such comparisons in some areas. (IPCC 2007, WG II, S. 366f.)

Für die Schweiz wurden gleichsam ein abnehmender Heiz- und deutlich steigender Kühlbedarf festgestellt. UK und Schweiz sind alles andere als globale Modellländer, was ihre klimatischen Bedingungen betrifft. Aber immerhin bekommt man schon eine Ahnung davon, dass sich die Vor- und Nachteile der Erwärmung allein was den Gebäudeenergiebedarf angeht in etwa die Waage halten würden. (Ganz unabhängig davon würde man bei egal welchem Klima massive Vorteile von durchgängiger Passivbauweise oder besser noch von Plusenergiehäusern bekommen, zum Beispiel eine Reduktion des Heizenergiebedarfs auf fast Null, aber das ist ein anderes Thema).

- dazu: “ganz Sibirien wird fruchtbar werden”

Ist das jetzt bevor oder nachdem die gigantischen Methanvorkommen im dann ehemaligen sibirischen Permafrost ausgegast sind und dem Klimasystem einen weiteren kräftigen Schlag verpasst haben? Abgesehen von der zuerst einmal zusammenbrechenden Infrastruktur in diesen Regionen, die im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Permafrost aufbaut. Und kann die mutmaßliche neue Kornkammer Russlands die Ausfälle aus dem wieder zur Wüste gewordenen mittleren Westen der USA ausgleichen? Wer weiß.

- dazu: “und wenn ich an die Nordsee will, spar ich mir die Fahrt durch Holland.”

Da könnte Ebert tatsächlich Recht behalten – bei 1 bis 2 m mehr Meer allein in diesem Jahrhundert.

- “Keine Ahnung, welche Rolle das CO2 beim Klimawandel spielt. Riesige Temperatursprünge in der Erdgeschichte sind ohne Beteiligung von CO2 abgelaufen. Vor 15.000 Jahren sind die Gletscher nicht abgeschmolzen, weil die Neandertaler die Grillsaison eingeläutet haben.” (ab 3:53)

Ebert hätte sich besser mit dem Kenntnisstand der Paläoklimatologie beschäftigt. Dann wüsste er, dass der Wechsel zwischen Eis- und Warmzeiten (genauer: Zwischen Glazialen und Interglazialen) ohne Kohlendioxid nicht erklärbar ist. Schließlich erhöhte sich am Übergang zur heutigen Warmzeit der CO2-Gehalt in der Atmosphäre von 180ppm auf 280ppm, und die globale Durchschnittstemperatur stieg um ca. 5°C an. Das ist nicht alles nur mit, aber eben überhaupt nicht ohne CO2 zu verstehen. Die gängige Erklärung lautet heutzutage in Kürze so: Am Ende einer Eiszeit führt irgendetwas zu einer geringfügigen Erwärmung, als deren Folge CO2 (wahrscheinlich von den Meeren) ausgegast wird. Dieses CO2 führt zu einer weiteren Erwärmung und weiteren CO2-Ausgasung, an deren Ende ein neuer stabiler Klimazustand steht – eine Warmzeit. Zu behaupten, CO2 spiele keine Rolle, geht auch mit viel Nachsicht nicht mehr als kabarettistische Zuspitzung durch – es ist einfach falsch.

- “im Weltklimabericht steht auf S. 774: Eine langfristige Voraussage des Systems Klima ist nicht möglich.” (ab 4:32)

Ebert hätte netterweise sagen können, welchen Bericht er genau meint. Im AR4 WGI steht auf S. 774 nichts dergleichen. Stattdessen wird man im TAR fündig. Dort steht:

In climate research and modelling, we should recognise that we are dealing with a coupled non-linear chaotic system, and therefore that the long-term prediction of future climate states is not possible. The most we can expect to achieve is the prediction of the probability distribution of the system’s future possible states by the generation of ensembles of model solutions. This reduces climate change to the discernment of significant differences in the statistics of such ensembles. The generation of such model ensembles will require the dedication of greatly increased computer resources and the application of new methods of model diagnosis. Addressing adequately the statistical nature of climate is computationally intensive, but such statistical information is essential. (Kursiv: Von Ebert zitierte Stelle)

Wir können keine Vorhersage für das Klima der Zukunft machen. Ebert bauscht das ziemlich auf, dabei ist das lange bekannt und überhaupt keine Neuigkeit. Frecherweise unterschlägt der Kabarettist, was Klimamodelle denn können (und was im Zitat oben enthalten ist): Einen wahrscheinlichen Rahmen für das mögliche Klima der Zukunft errechnen. Und genau das machen Klimamodelle auch. Wenn die Klimasensitivität im aktuellen IPCC-Bericht mit 2-4,5°C angegeben wird, ist das genau ein solcher Rahmen. Zu behaupten, weil Klimamodelle nur Bandbreiten und keine exakten Zustände ausgeben würden seien sie nutzlos, ist schon ziemlich daneben und eine Täuschung des Publikums. Denn nicht zuletzt können Modelle mit mehr als hinreichender Genauigkeit den Temperaturverlauf des 20. Jahrhunderts nachberechnen – und zeigen dabei gleichzeitig auf, dass sich das Klima unter natürlichen Bedingungen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ganz anders entwickelt hätte.

Bild: Vergleich der gemessenen mittleren globalen Oberflächentemperatur mit den Ergebnissen eines Multi-Ensembles von Klimamodellen, oben einschließlich der natürlichen und anthropogenen Einflüsse, unten nur mit den natürlichen Faktoren. Quelle: IPCC 2007, AR4, WGI, S. 684.

Bleibt als Fazit: Mäßig lustig, mit großen Schwächen im fachlichen Bereich. Ich bleibe lieber in der Anstalt.

Von Nils Simon

Comments

Comment from Krishnag
Posted: 26. Oktober 2008 at 21:42

@Nils Simon
das war keine Wissenschaftssendung, ist Dir das aufgefallen ?
Es gibt genug Klimaforscher die für das IPCC schreiben, die sind ähnlich mit halbwissen gestraft, und dann nicht mal komisch.
Das ganze ist Kabaret und Komik, also in keinster Weise ernst zu nehmen, oder sieht ein linker des “Roten Faden” das alles nicht ein wenig zu verbissen ?
Hat er irgendwo behauptet, Klimaforscher zu sein ?
Nein – also, reg Dich wieder ab.
Das er Wiesbaden mit Solaranlagen “zupflastern” will, zur Freude der Mainzer, ist absolutes Lokalkolorit, was einer wie Du nicht nachvollziehen kann.

Wie sagen die Mainzer:
Das schönste an Wiesbaden ist der Bus nach Mainz.
So, da mißt Du den Solaranlagen irgend eine technische Bedeutung bei.
Du machst Dich lächerlich.

Wie sagte ein Kabarettist und Karnevalist:
Die meinen das nicht ernst.
Die meinen das todernst !
Komm wieder auf den Boden der Realität zurück und betrachte das alles als da was es ist.

Comment from Krishnag
Posted: 26. Oktober 2008 at 22:01

nun, mit Weltklimabeicht liegt er ja nicht ganz falsch, oder ?
Ging es darum, oder eher um das “Kleingedruckte” ?
Doch wohl eher um letzteres. Du nimmst doch nicht ernsthaft an, das da irgendwer nach der Sendung heim ist und im AR4 nachschaut ?
Wohl eher nicht. Die wollten Lachen, nicht sich bilden.
Bleib einfach auf dem Teppich, ok ?

Comment from Krishnag
Posted: 27. Oktober 2008 at 23:05

#Ist das jetzt bevor oder nachdem die gigantischen Methanvorkommen im dann ehemaligen sibirischen Permafrost ausgegast sind und dem Klimasystem einen weiteren kräftigen Schlag verpasst haben?#
Nun, dazu wird es nicht kommen. Das wird dann, wenn es in den oberen Schichten auftaut eher wie eine Hydrokultur oder Pflanzen-Tanks funktionieren, sehr fruchtbar. Hat sich schon der Reichholf reichlich drüber ausgelassen.
Ist ja eher nicht Deine Lektüre, ist mir aber wurscht.
Wann kommst Du mal zum Freischalten, ist ja schlimmer als auf dem Rahmstorf Blogg.

Comment from N
Posted: 31. Oktober 2008 at 16:40

Krishnag schrieb:
> Das ganze ist Kabaret und Komik, also in keinster Weise ernst zu nehmen,

Ich fürchte, es gibt genug Leute, die Eberts Aussagen erst nehmen. Schließlich wird das Video auch gekoppelt mit der Aussage „Kimafoschschung = Unsinn“ verbreitet.

Dass Nils also seine Argumente entkräftet bzw. seinen Senf dazu gibt, ist vollkommen in Odnung.

> Komm wieder auf den Boden

… könnte man eher dir raten, wenn du anscheinend nichts besseres zu tun hast, als dich in drei Kommentaren darüber zu beschweren, dass jemand seine Meinung kund tut.

Comment from Steve Horn
Posted: 1. November 2008 at 21:56

Sicher kann man die ganze Sache schon etwas entspannter betrachten. Nur wenn dann so ein Komiker wie der Dorfschullehrer Beck mit seinen kruden Thesen irgendwo aufschlägt, dann hängen die ganzen selbsternannten Kritiker ihren so gelobten gesunden Menschenverstand an den Nagel und sabbeln den größten Unsinn nach. Und zu diesen Großmaul-Helden zählt auch der Herr Krishnag. Ich habe nun einige Zeit deine Beiträge in den unterschiedlichsten Blogs verfolgt. Dich sollte man am besten gleich rausschmeißen oder deine Beiträge gar nicht erst veröffentlichen. Nicht wegen der Zensur oder weil du in deinen Beiträgen unangenehme Wahrheiten ansprichst. Nein, sondern weil das Niveau deiner Beiträge wirklich grottig, deine Logik einfach nur schlecht und deine Argumentationsweise langweilig ist.

Gruß
Steve

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