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TREC

Am morgigen Mittwoch stellt die Trans-Meditarranean Renewable Energy Cooperation, kurz TREC, dem EU-Parlament ein Weißbuch über die Realisierbarkeit des ambitionierten Energieprojektes vor. Was sich dahinter verbirgt, ist wohl am einfachsten in einem eigenen Wikipedia-Artikel nachzulesen. Kurz gesagt geht es darum, mit zahlreichen Erneuerbare-Energien-Anlagen sowohl für Europa als auch für Afrika und den Nahen Osten eine nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen. Ein massiv ausgebautes Hochspannungs-Gleichstromnetz sorgt für die verlustarme Übertragung der Elektrizität. Jede Region setzt dabei auf die ihr eigenen Vorteile: Während Mitteleuropa vor allem Biomasse herstellt, steuern die skandinavischen Länder Wasserkraft und die afrikanischen Nationen Solarenergie bei. Dank des transmediterranen Verbundnetzes gleichen sich in der Theorie auch Schwankungen von Windparks und Solarkraftwerken aus. In einer Modellgrafik sieht das ganze so aus:

Schema von TREC. Quelle:TREC-Homepage.

Hinter TREC stecken der Club of Rome, der Hamburger Klimaschutzfonds sowie das Jordanische Nationale Energieforschungszentrum, kurz NERC. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt untersucht das Projekt wissenschaftlich und bescheinigt ihm prinzipiell Machbarkeit. Ich halte TREC für ein spannendes, auf jeden Fall äußerst ambitioniertes Projekt, über dessen mutmaßliche Vor- und Nachteile sowie besonders dessen Realisierungschancen man sicherlich geteilter Meinung sein kann. Das neue Weißbuch ist nun aktuell die Gelegenheit, sich selber damit auseinander zu setzen.

Von Nils Simon

Comments

Comment from Kohleverfluessigungs-Investor
Posted: 27. November 2007 at 21:00

Und was soll der Spaß pro kWh kosten?

Comment from Tomislav Rus
Posted: 27. November 2007 at 23:17

Betrachtet man die Verteilung der gelben Punkte (Solar), so stellt man fest, dass diese größtenteils in Nordafrika und im Nahen Osten liegen. Glaubt man ernsthaft, dass so eine sichere Energieversorgung möglich sein soll? Man begibt sich nur von einer Abhängigkeit in eine andere. Ich sehe kein Unterschied darin, ob uns die OPEC den Ölhahn zudreht oder einfach die Solarstromleitung nach belieben kappt. Zudem sind Hochspannungsleitungen ein sehr einfaches Ziel für Terroristen und ein dankbares Erpressungsinstrument für machtbewußte Politiker im Nahen Osten.

Zudem: warum sollten diese Staaten auf Entwicklung verzichten und den Strom ausgerechnet an uns exportieren, anstatt die Energie selbst zu nutzen? Wird eine postulierte Ölknappheit Nordafrika und den Nahen Osten irgendwann nicht betreffen?

[Niemand soll auf Entwicklung verzichten. Clou der Geschichte ist gerade die TRANS-Mediterrane Kooperation. Das heißt, die gesamte an das Netz angebundene Region profitiert von den Stromerzeugungsanlagen der Partnerländer. So wie Europa tagsüber solare Überschüsse aus Nordafrika nutzt, so werden NA und der Nahe Osten den anderswo mit Hilfe von Biomasse oder Wasserkraft produzierten Strom nutzen. Dank gegenseitiger Kooperation (im Gegensatz zur gegenwärtigen einseitigen Abhängigkeit) ist die Chance sehr groß, dass die beteiligten Länder die Vorteile des Projektes wahzunehmen verstehen. Abgesehen davon halte ich den "globalen Terrorismus" erstens für maßlos überschätzt, und zweitens würden nach wie vor die wenigen Ölpipelines ein viel attraktiveres Ziel darstellen. Ob überdies eine SOLENEC (SOLar ENergy Exporting Countries) die OPEC ablösen und dann auch noch deren Dummheiten aus den 1970er Jahren wiederholen wird, halte ich für sehr zweifelhaft. Nils

Comment from Rainhelt
Posted: 29. November 2007 at 14:58

Hallo,

neben den Kosten und der politischen Sicherheit halte ich es für keine besonders schlaue Idee zwischen tektonischen Platten nach Erdwärme zu bohren. Ich sag nur Basel. Aber sowas steht wahrschinlich in den Ausführungen zum “Whitebook”. Aber in der “Entscheidungsträger”-Zusammenfassung steht das bestimmt nicht.

Im übrigen: Was passiert denn, wenn es dem Fall zu einem größeren Zwischenfall kommt? Zum Beispiel Supervulkan (oder Meteorit) mit Verdunkerlung (=weniger Wind wegen kleineren Temperaturdiff. da weniger Sonne, d.h. Wenig Windenergie, keine Biomasse, keine Solarkraft). Dann sterben wir wie die Dinosaurier aus (Vögel einmal ausgeschlossen)…

[Gegenfrage: Wenn der Himmel so verdunkelt ist, dass wir keine Biomasse mehr produzieren können - was essen wir dann?? Nils]

Comment from chlorobium
Posted: 30. November 2007 at 22:35

Mir fehlen bei der Studie ganz klar die Russen.

mfg
Chlorobium (der Farbe wegen)

Comment from Wolfgang Flamme
Posted: 4. Dezember 2007 at 02:46

Darf ich mal ein bischen radikal sein?

Im DLR-Final habe ich nach ein paar Minuten Suche Kostenschätzungen in der ungefähren Größenordnung von 100 Mrd € gefunden.
Das, was da auf der Webseite präsentiert wird, kann ein Ingenieur innerhalb von 5 Jahren durchaus erstellen.

Ich rechne ganz grob: 10% Planungskosten von 100 Mrd €=10 Mrd €.

Ich rechne ganz grob: 5 Jahre Ingenieursgehalt a. 150.000 €= 750.000€. Machen wir eine Million draus, für ne glatte Abschätzung der Größenordnung.

Wir rechnen: 100e9/1e6*100%=0.01%

Die ganze Sache ist also zu ungefähr 0.01% fertig durchdacht.

Das laß ich – jetzt nur als ungefähre Größenordnung – mal so zum Nachdenken im Raum stehen.

Comment from Alanka
Posted: 19. Mai 2008 at 10:29

Der Sonnenstrom aus der Sahara sollte nach meiner Meinung dazu genutzt werden, aus dieser Wüste lieber wieder Lebensraum für Mensch und Tier zu gestalten, als ihn nach Europa zu verfrachten. Dafür wäre nämlich eine die gegenwärtige Höchstspannungsebene von 400 kV überlagernde Höchstspannung von 750 – 1.000 kV erforderlich – mit neuen Leitungen und Masten. Ein solches hierfür erforderliche Übertragungssystem läßt sich in Europa aufgrund der hohen Besiedelungsdichte nicht (mehr) realisieren. Eine einfache Anbindung der Sahara an das gegenwärtige 400 kV-Netz ist wegen dessen derzeitiger Auslastung weder möglich und wegen den dann auftretenden hohen elektrischen Verlusten energiewirtschaftlich nicht sinnvoll.
Wenn sich Nordafrika gleichsam wie wir entwickeln und besiedeln soll, dann benötigt es die solar produzierte Energie selber und wird sie nicht noch nach Europa exportieren. Unsere hohe Besiedelungsdichte wurde nur möglich durch Nutzung von Primärenergien mit einer hohen Leistungsdichte (Kohle etc.). Die solare Leistungsdichte ist dagegen minimal und reicht allenfalls für Robinson auf seiner Insel.

Comment from chlorobium
Posted: 19. Mai 2008 at 14:45

“Der Sonnenstrom aus der Sahara sollte nach meiner Meinung dazu genutzt werden, aus dieser Wüste lieber wieder Lebensraum für Mensch und Tier zu gestalten, als ihn nach Europa zu verfrachten.”

Nur woher soll für die notwendigen Investitionen daß dafür benötigte Kapital kommen? Die Anrainerstaaten der Sahara werden dies selber nicht aufbringen können. Warum dann also nicht in einem ersten Schritt Strom nach Europa exportieren?

mfg
Chlorobium (der Farbe wegen)

Comment from Energie-Ossi
Posted: 22. Mai 2008 at 22:09

@Wolfgang
Irrtum, man schätzt für 15% der gesamten europäischen Stromversorgung durch Solarkraftwerke aus Afrika ca. 350 Mrd. Euro für die Kraftwerke und nochmals 50 Mrd. Euro für die HGÜ Übertragung samt Wandlerstationen. Selbst diese enorme Summe ist schon zu niedrig gegriffen, siehe ständig steigende Rohstoffkosten.
Weiterhin gebe ich Tomislav Recht, Afrika und der nahe Osten als politisch unsichere Stromlieferanten machen Europa noch erpressbarer als jetzt. Da wird es uns genauso gehen, wie mit dem russischen Erdgas, wenn wir die Preissteigerung nicht zahlen wollen, drehen die Iwans einfach die Hähne zu.
Ich weiß, die Öko´s hier können mit dem Begriff “Versorgungssicherheit” nix anfangen, bei denen kommt der Strom ja aus der Steckdose.
Leider sehen die Realitäten völlig anders aus, da nützt die beste Studie des Öko-Instituts nix.
Wir machen uns noch abhängiger, Leute besorgt euch schon mal warme Decken und reichlich Kerzen.
MfG

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