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- Marcel Hänggi: Wir Schwätzer im Treibhaus. Rotpunkt, 2008.
- George Monbiot: Hitze. Riemann, 2007.
- Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. C.H. Beck, 2007.
- Hermann Scheer: Der energethische Imperativ Kunstmann, 2010.
- Harald Welzer: Klimakriege. S. Fischer, 2008.

Bücher (englisch)

- James Hoggan: Climate Cover-Up. Greystone, 2009.
- Mike Hulme: Why We Disagree on Climate Change. Cambridge University Press, 2009.
- Mark Lynas: Six Degrees. Random House, 2008.
- Roger Pielke, Jr.: The Climate Fix. Basic Books, 2010.
- Stephen Schneider: Science as a Contact Sport. National Geographic, 2009.
- Spencer Weart: The Discovery of Global Warming. Harvard University Press, 2008. Auch online.

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Brisante Anzeichen eines unterschätzten Klimawandels

Nach einer längeren Pause habe ich nun genug Atem gesammelt, um einen Sammelbeitrag über drei wichtige klimawissenschaftliche Veröffentlichungen zu schreiben. Alle drei sind im Laufe dieses Jahres publiziert worden, und sie tragen allesamt eine besorgniserregende Botschaft in sich: Das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Klimawandels werden unterschätzt. Die beobachteten Veränderungen bewegen sich am oder sogar oberhalb des Randes, der vom IPCC in seinem worst-case-Szenario beschrieben wurde.

Bereits im Mai veröffentlichte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zusammen mit einigen KoautorInnen den Science-Artikel Recent Climate Observations Compared to Projections. Darin vergleichen die AutorInnen drei Schlüsselindikatoren für den voranschreitenden Klimawandel – den CO2-Anstieg, die globale Temperaturveränderung und die Erhöhung des Meeresspiegels – mit den jeweiligen Szenarien des IPCC. Das Ergebnis: Alle drei liegen am oberen Rand der IPCC-Projektionen.

Veränderungen in Schlüsselparametern des Klimasystems im Vergleich zu den IPCC-Projektionen. Oben: CO2-Konzentration. Mitte: Temperatuveränderung. Unten: Meeresspiegelanstieg. Quelle: Stefan Rahmstorf et al. 2007: Recent Climate Observations Compared to Projections

Der zweite Punkt ist bislang noch keine Veröffentlichung im engeren Sinn, sondern besteht vielmehr aus jüngsten Messdaten vom Nordpol. Unter dem Titel Ein letztes Eis jemand? hatten wir die Rekordschmelze des arktischen Meereises diesen Sommer auch hier im Blog kommentiert. Das haben zahlreiche andere Blogs ebenfalls gemacht, darunter Jörg Haas mit seinem prägnanten Beitrag Absturz der Arktis?. Eigentlich wollte ich genau das, was er dort gemacht hat, bei mir hier mitteinreinsetzen. Stattdessen bin ich wie üblich faul und verweise euch nur dorthin. Von Jörg hierher mit rübernehmen will ich vor allem die Botschaft, dass beim arktischen Meereis die (anerkanntermaßen noch mangelhaften und unzureichenden) Computermodelle die tatsächlich eintretenden Veränderungen markant unterschätzen.

Womit wir beim dritten und jüngsten Artikel wären. Am 25. Oktober veröffentlichten Josep G. Canadell et al. den wegweisenden Artikel Contributions to accelerating atmospheric CO2 growth from economic activity, carbon intensity, and efficiency of natural sinks in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Auf der verlinkten Website des Global Carbon Project gibt es dazu auch eine gut zusammengestellte und übersichtliche Präsentation der Ergebnisse. (Das GCP ist ebenbei bemerkt ein Projekt, das im Rahmen der Earth Systems Science Partnership gefördert wird. Letztere setzt sich aus vier einzelnen Programmen zuammen, und bei einem davon, dem International Human Dimensions Programme on Global Environmental Change, war ich 2006 für ein halbes Jahr als Visiting Scholar unterwegs.)

Canadell et al. 2007 enthält viele lesenswerte Details, von denen Michael Tobis einige in seinem Blogeintrag Carbon Cycle Misfortunes aufgegriffen hat. Ich will hier nur eins davon wiedergeben: Die steil ansteigenden Emissionen von Kohlendioxid. Das worst case-Szenario des IPCC aus dem Jahr 2000, das so genannte “A1FI”-Szenario aus dem emissionsintensiven A1-Ensemble, geht von einer jährlichen Zunahme der CO2-Konzentration um 2,71% bis 2010 aus. Wie die tatsächlichen Emissionen der Jahre 2005 und 2006 zeigen, liegen wir bereits seit zwei Jahren sehr deutlich darüber. Mehr noch: Zwischen 2000 und 2006 wurden im Schnitt jährlich 3,3% gemessen!

Vergleich der tatsächlichen CO2-Emissionen mit den Szenarien des IPCC von 2000. Quelle: Canadell et al. 2007/Global Carbon Project 2007: Carbon Budget and Trends (aus technischen Grünen hier in der Version vom 13. Juni 2008).

Mittlerweile sind wir bei fast 8,5 Gigatonnen CO2-Emissionen pro Jahr angekommen, und nichts deutet darauf hin dass es dieses oder nächstes oder übernächstes Jahr weniger werden wird. Das Klimasystem reagiert empfindlich darauf. Die Erdatmosphäre heizt sich weiter auf, die Meeresspiegel steigen, das arktische Eis schmilzt schneller als erwartet – sehr viel schneller. All dies sind brisante Anzeichen eines unterschätzen Klimawandels.

UPDATE:Lesenswert hierzu ist auch ein bei Spiegel Online erschienener Artikel namens Uno-Klimareport ignoriert jüngste Studien.

Von Nils Simon

Comments

Comment from Fischer
Posted: 17. November 2007 at 21:53

Moin.
Hast du eigentlich den Workshop Geoengineering in Harvard letztens mitbekommen? Passt ganz gut zum Thema…

[Nein, gibts dazu nen Link? Nils]

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