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- Andrew Dessler and Edward Parson: The Science and Politics of Global Climate Change. Cambridge University Press, 2006.
- Ross Gelbspan: Boiling Point. Basic Books, 2005.
- Mark Lynas: Six Degrees. Random House, 2008.
- Spencer Weart: The Discovery of Global Warming. Harvard University Press, 2008. Auch online.

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Montreal – das bessere Kyoto?

Das Montrealer Protokoll gilt weithin als eine Erfolgsgeschichte der Umweltpolitik. Es ist ein Protokoll zur Ausgestaltung des 1985 beschlossenen Wiener Übereinkommens zum Schutz der Ozonschicht und regelt die Details der internationalen Bemühungen um das Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Das Protokoll selber ist in seiner jüngsten, 1999 in Peking revidierten Fassung mit etwa 15 Seiten nicht gerade ausufernd lang, hat jedoch anscheinend eines der bedeutendsten Umweltprobleme unserer Zeit gelöst. In diesem Beitrag will ich auf die Hintergründe eingehen und darstellen, warum Parallelen zum Klimaschutzprozess mit Vorsicht zu genießen sind.

Der Grund, weshalb das Ozonloch entstanden ist, ist vergleichsweise einfach zu erklären. ChemikerInnen hatten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angefangen, einen Haufen neuartiger Chemikalien zu entwerfen. Von denen ist ein großer Teil anschließend massenweise produziert und freigesetzt worden. Eine Gruppe dieser Chemikalien waren FCKW. Diese hatten eine Reihe von Vorteilen, die sie zum weitläufigen Einsatz geeignet erscheinen ließen: Sie sind außerordentlich stabil, das heißt sie reagieren mit den meisten bekannten Stoffen nicht oder nur sehr träge, brennen nicht, sind geruchlos und ungiftig. Innerhalb kurzer Zeit waren ihre verschiedenen Varianten als Kühlmittel in Kühlschränken, als Treibmittel in Spraydosen oder in Feuerlöschern im Einsatz.

In den 1970ern wurden erstmals Stimmen laut, die vor einem bislang übersehen Effekt der FCKW auf die Umwelt warnten. Die Wissenschaftler Frank S. Rowland und Mario J. Molina veröffentlichten 1974 die so genannten Rowland-Molina-Hypothese. Danach konnte bis in die Stratosphäre aufgestiegenes FCKW von der solaren UV-Strahlung aufgespalten werden, wobei sich das Chlor aus der Verbindung löst. Innerhalb der Ozonschicht, so die Forscher weiter, könnte das freigesetzte Chlor mit dem statosphärischen Ozon (O3) reagieren und es zu normalem, molekularem Sauerstoff (O2) umwandeln. Die Folge wäre eine Abnahme der Ozonmenge. Weil die Ozonschicht große Teile der UV-Strahlung davon abhält, die Erdoberfläche zu erreichen, wäre damit auch eine steigende UV-Belastung am Boden verbunden, was unter anderem zu erhöhten Hautkrebsraten bei Menschen führen würde.

Die Rowland-Molina-Hypothese war lange umstritten und wurde insbesondere von der FCKW-herstellenden Industrie bitter bekämpft – bis 1985. In diesem Jahr veröffentlichten Wissenschaftler des British Antarctic Survey auf einem Flug durch die Antarktis gemachte Messungen der Ozonkonzentration in der Zeitschrift Nature. Diese Veröffentlichung wirkte wie ein Schock. Das Team hatte eine enorme Abnahme des stratosphärischen Ozons im Gebiet um den Südpol herum entdeckt, das in der Öffentlichkeit so benannte Ozonloch. Bis heute werden die geringsten Ozonmengen über der Antarktis gemessen, wo zuletzt im September 2006 die im folgenden Bild wiedergegebene Rekordgröße des Ozonlochs festgestellt werden konnte:


Bild: Bislang größte gemessene Ausdehnung des antarktischen Ozonlochs im September 2006. Quelle: NASA

Das war die lange gesuchte “rauchende Pistole”, der letzte Beweis, der für ein sofortiges internationales Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht noch gebraucht worden war. Im selben Jahr wurde das bereits erwähnte Wiener Übereinkommen beschlossen, das 1987 in Kraft trat. Und in jenem Jahr wurde dann endlich das bahnbrechende Montrealer Protokoll abgesegnet, das seinerseits 1989 in Kraft trat. Das Protokoll hat bis heute fünf Revisionen erlebt, 1990 in London, 1992 in Kopenhagen, 1995 in Wien, 1997 in Montreal und zuletzt 1999 in Peking. Jede Fassung enthält verschärfte Regelungen, wann und in welchem Maße in welchem Land die Nutzung von FCKW abnehmen oder ganz aufhören soll. Die folgende Grafik zeigt, wie sich die erwartete Konzentration von FCKW in der Atmosphäre bis 2100 nach jeder Revision deutlich verringerte:

Bild: Erwartete Entwicklung der Konzentration von FCKW nach jeder Revision des Montrealer Protokolls bis 2100. Quelle: UNEP (PDF).

Mittlerweile sind die Werte aller im Montrealer Protokoll aufgeführten Gase nach einem Maximum um das Jahr 1994 herum im Durchschnitt um circa 7 Prozent gesunken, und Rowland, Molina sowie der an der Ozonloch-Forschung ebenfalls beteiligte Paul J. Crutzen haben für ihre Arbeit 1995 den Chemie-Nobelpreis bekommen.

Das Protokoll wirkt also. Anscheinend hat sich der Ozonabbau dank des gesunkenen Ausstoßes von FCKW stabilisiert, und in den kommenden Dekaden wird mit einer langsamen Erholung der Ozonschicht gerechnet. So weit zu dieser Erfolgsgeschichte globaler Umweltpolitik. Warum ist Montreal nun besser als Kyoto? Und: Kann die Rettung der Ozonschicht deshalb ein Modell für die Rettung des Klimas sein?

Punkt 1: Warum ist Montreal besser als Kyoto? Der erste Teil der Antwort ist ganz einfach: Das Protokoll war und ist erfolgreich darin, die Emissionen von FCKW einzudämmen, ganz im Gegenteil zu den Kyoto-Regelungen über den zu reduzierenden Treibhausgasausstoß. Der zweite Teil hat es besonders in sich: Montreal ist dazu sogar noch effektiver im Klimaschutz! Obwohl zu einem ganz anderen Zweck ausgehandelt, hat das Montrealer Protokoll bis heute quasi als Nebeneffekt mehr zum Klimaschutz beigetragen, als es das Kyoto-Protokoll überhaupt vorsieht. In der kürzlich erschienenen Studie von Velders et al. (PDF) wird dieser Zusammenhang näher beleuchtet. Neben ihrer Ozon auflösenden Wirkung haben FCKW nämlich auch ein enormes Treibhauspotenzial. Ein Molekül FCKW trägt bis zu 14.000mal so stark zur Erderwärmung bei wie ein Molekül Kohlendioxid. Deshalb hilft das Verbot von FCKW, das mittlerweile in allen Industrieländern umgesetzt ist und in absehbarer Zeit auch in den Entwicklungsländern in Kraft treten wird dabei, den Klimawandel einzudämmen. Die Autoren um Velders errechneten für den relevanten Zeitraum des Kyoto-Protokolls (1990-2010) die Klimaschutzwirkung beider Protokolle. Das Montrealer Protokoll hat demnach für einen jährlichen Einspareffekt in Höhe von 8 Gigatonnen CO2-Äquivalenten gesorgt. Demgegenüber sind unter den Kyoto-Regelungen Einsparungen von nicht mehr als 2 Gt CO2eq pro Jahr vorgesehen, gerade mal ein Viertel der vom Montreal-Protokoll nebenbei erledigten Reduktion – ein Armutszeugnis für die weichgewaschenen Kyoto-Regeln.

Punkt 2: Kann die Rettung der Ozonschicht ein Modell für die Rettung des Klimas sein? Meine Antwort ist ein klares Nein. Wie konnten die Montrealer Regelungen so erfolgreich sein? Beim Ozonloch handelte es sich um ein isoliertes Problem, wenn auch mit globalen Folgen. Ursache des Ozonschwundes war eine einzige Stoffgruppe, die FCKW, und für diese konnten Anfang der 1980er Jahre Alternativen ohne negativen Umwelteinfluss entwickelt werden. Bei der Googlegroup globalchange gibt es gerade eine Diskussion dazu, in der Michael Tobis von seinem Automechaniker berichtet, der bis heute an eine Verschwörung des Chemiekonzerns DuPont glaubt. DuPont hatte einen Ersatzstoff für FCKW entwickelt (und natürlich patentieren lassen) und war in der Folge praktisch über Nacht vom erbitterten Gegner jeglicher Regulierung zum Befürworter geworden. Das lässt den genannten Mechaniker offensichtlich gleich eine groß angelegte Verschwörung hinter dem ganzen Ozonhype vermuten, deren Urheber in den Chefetagen DuPonts zu vermuten sind.

Der in meinen Augen eigentliche Grund für den Erfolg von Montreal ist dabei gleichzeitig der Grund für den Misserfolg von Kyoto. Es ist das Fehlen jeglicher struktureller Veränderungen an unseren Produktions-, Konsum- und sonstigen wirtschaftlichen und sozialen Verhaltensmustern. Eine einfach auszutauschende Chemikalie verhindert ein von einer anderen Chemikalie verursachtes globales Umweltproblem – geschenkt. Der all unsere Lebensbereiche durchdringende Ausstoß von Treibhausgasen durch so verschiedene Aktivitäten wie Autofahren, Stromverbrauch, Entwaldung oder Fleischverzehr hingegen berührt nahezu jeden Bereich unserer Lebens- und Wirtschaftsweise. Wer vermutet, die letztlich überraschend günstigen Bedingungen während der politischen Verhandlungen 1987 in Montreal seien auch nur annähernd übertragbar auf den gegenwärtig laufenden Post-Kyoto-Prozess, unterschätzt gewaltig die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und das Ausmaß der Herausforderung, welche der Klimawandel an die menschliche Gesellschaft stellt. Und das macht das Montrealer Protokoll trotz seiner die Vereinbarungen von Kyoto überragenden Errungenschaften im Klimaschutz eben nicht zum besseren Kyoto.

Von Nils Simon

Kommentare

Comment from Sabine Schneider
Time 17. April 2009 at 16:14

Ich habe eine Frage , die mir selbst gestellt wurde – und die ich noch nicht beantworten kann: „Was ist der Zusammenhang zwischen Fleischkonsum in Deutschland, dem immer häufigerem Ozonalarm im Sommer und der wachsenden Population von Eichhörnchen in mitteleuropäischen Wäldern“.
Bin auf Antworten gespannt.
Wäre toll!
Vielen Dank und herzliche Grüße
Sabine Schneider

[Antwort: Im Zweifelsfall steckt dahinter die gleiche Ursache, die Borussia Dortmund seit Jahren von der erfolgreichen Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb abhält. Nils]

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